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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Ohne Beispiel

30.10.2018

Oldenburg Von der deutschen Strafjustiz heißt es häufig, sie kümmere sich zu sehr um die Täter und zu wenig um die Opfer. Dass es anders geht, zeigt eindrucksvoll der Fall Högel.

Der Angeklagte, der wegen unfassbarer 100 Mordvorwürfe vor Gericht steht, ist längst als Mörder verurteilt; er verbüßt in Oldenburg eine lebenslange Haftstrafe, die besondere Schwere der Schuld ist festgestellt. Die Chancen stehen gut, dass er das Gefängnis nie wieder verlassen wird.

Die Gefährdung der Allgemeinheit ist also abgewehrt, der Täter bestraft, eine härtere Bestrafung ist durch das deutsche Strafrecht ausgeschlossen – und trotzdem haben die Oldenburger Polizei und Justiz zuerst eine Ermittlung und dann einen Strafprozess angeschoben, die in der bundesdeutschen Geschichte wohl ohne Beispiel sind.

In fast dreijähriger Detailarbeit hat die Sonderkommission „Kardio“ Hunderte Krankenakten untersucht, Zeugen befragt, Patientenleichen exhumiert, um jede mögliche Tat Högels zu identifizieren. Und jetzt folgt in einer zum Gerichtssaal umgebauten Festhalle einer der größten Strafprozesse Deutschlands, um die polizeilichen Nachweise gerichtlich zu überprüfen.

Es hat schwere Fehler gegeben im Fall Högel, zunächst in den Kliniken, in denen der Ex-Pfleger mordete und niemand trotz deutlicher Hinweise das Morden stoppte. Diese Fehler werden in eigenen Verfahren aufgearbeitet. Schlimme Versäumnisse gab es auch bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg, die die Aufarbeitung des Falls jahrelang verschleppte, Hinweisen nicht nachging und dafür völlig zu Recht massive öffentliche Kritik einstecken musste.

Vielleicht gab diese Kritik den Ausschlag, die Opfer-Interessen neu zu bewerten. Zwar ist es auch in diesem Prozess Aufgabe der Strafkammer, Schuld oder Unschuld des Angeklagten festzustellen. Diese Feststellung dient aber einem einzigen Zweck: In jedem einzelnen der 100 verhandelten Fälle sollen die Angehörigen der toten Patienten endlich Antworten bekommen, was ihren Verwandten im eigentlich geschützten Raum eines Krankenhauses zugestoßen ist.

Der Fall Högel hat erschreckende Versäumnisse ans Licht gebracht. Jetzt setzt die juristische Aufarbeitung neue Maßstäbe: Dieser Mordprozess ist nicht nur einer der größten, er ist auch einer der wichtigsten – weil er Verbrechensopfern den Platz gibt, der ihnen zusteht: im Mittelpunkt.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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