Oldenburg - Zum Glück ist dieser EU-Wahlkampf vorbei. Er war so hysterisch und polarisierend wie nie zuvor. In Deutschland waren es die Grünen, die auf brillante taktische Art und Weise daraus Honig gesaugt haben. Ihnen ist gelungen, eine gesellschaftliche Stimmung zu schaffen, zu nutzen und in einen triumphalen Erfolg umzumünzen.

Ganz rechts waren es Themen wie Masseneinwanderung und die Zukunft des politischen Projektes Europäische Union, die zwar immerhin für zehn Prozent der Wähler wichtig waren, aber nicht zu dem Durchmarsch führten, wie sich einige erhofft und andere befürchtet haben. Die Soziale Frage auf der Linken vermochte ebenfalls nicht, gegen das grüne Klima-Narrativ auszurichten. Wer die Deutschen kennt, weiß, dass sie politisch angstgetrieben handeln. Die Deutsche Angst ist sprichwörtlich.

Den Grünen gelang es meisterhaft, von einer sich im Wahlkampf zunehmend steigernden Angstkulisse zu profitieren. Gelegentlich hatte man den Eindruck, die Apokalypse stehe unmittelbar vor der Tür. Die Freitagsdemos, die im traditionellen Wählermilieu der Grünen offene Türen einrannten, vermochten es im Resultat, das Thema auch in andere Kreise zu transportieren. Die ehemaligen Volksparteien CDU und SPD hatten dem nichts entgegenzusetzen. Im Resultat waren sie es auch, die zugunsten der Grünen massiv bluten mussten.

Wenige Tage vor der Wahl erhielten die auch noch Schützenhilfe von so einflussreichen wie fragwürdigen „Beeinflussern“ aus den Sozialen Medien. Das war perfekt platziert, denn bei der Frage nach dem „Wem nützt es?“ zeigt sich: Da wurde abgeraten CDU, SPD, AfD oder FDP zu wählen. Was blieb da noch? Genau – realistisch nur die Grünen. Das zog massiv bei den Jungen.

Man könnte da fast an „Astroturfing“ denken, eine Strategie, mit der Graswurzelbewegungen gezielt unterstützt, aufgebaut und für eigene Zwecke genutzt werden. Doch sei’s drum: Wenn tatsächlich 48 Prozent der Wähler den Klimaschutz als wahlentscheidend gesehen haben, dann ist es den Grünen offenkundig gelungen, eine „grüne“ gesellschaftliche Stimmung zu schaffen. Die Ironie dabei ist, dass auf grünen Wahlplakaten von „angstfreier Gesellschaft“ zu lesen war, während diese „grüne“ Stimmung auf Angst beruht.

Am Ende wird sich zeigen, wie politisch nachhaltig das alles ist. Grün in Reinform bedeutet letztlich nämlich Deindustrialisierung, Bevormundung, sinkender Wohlstand und auf lange Sicht gar Mangel. Wer will das ernsthaft?

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk