Oldenburg - Es ist ein unwürdiges Spektakel, das sich um die Festnahme Julian Assanges abspielt. Man muss nicht zu den Bewunderern des enigmatischen Wikileaks-Gründers gehören, um sich über die konzertierte Aktion der USA, Großbritanniens und Ecuadors zu empören. Man zeigt sich einig, die britische Premierministerin Theresa May doziert schal, niemand stehe über dem Gesetz. Ein merkwürdiger Satz, denn dass Ecuador Assange so lange Asyl gewährt hat, war ja nicht illegal.
Gegenüber diesen Ränkespielen strahlen die Verdienste Assanges umso heller. Die Enthüllungen der Plattform haben den Blick vor allem auf den Krieg der US-Streitkräfte in Afghanistan verändert. Der Grund, warum sich der Australier so mächtige Feinde gemacht hat, ist nach wie vor ehrenwert: Er hat einer Wahrheit ans Licht geholfen.
Sicher, Assange ist in vielerlei Hinsicht umstritten. Das war er schon im innersten Wikileaks-Zirkel, wie das Zerwürfnis mit dem einstigen Weggefährten Daniel Domscheit-Berg zeigt. Dessen Ehefrau Anke Domscheit-Berg stellte am Donnerstag in wütenden Tweets zur Verhaftung aber klar: Hier geht es um mehr als Detailfragen oder persönliche Animositäten.
Sollte Julian Assange tatsächlich eines Tages in den USA vor Gericht stehen, drohen ihm nach derzeitigem Stand fünf Jahre Haft. Was die USA damit gewinnen würden? Nichts. Es gäbe nur Verlierer.
