Oldenburg - Monatelang war darüber diskutiert worden, ob Deutschlands letzte beiden unabhängigen Großbanken fusionieren sollen. Nun ist klar: Aus der großen Hochzeit von Deutscher Bank und Commerzbank wird nichts. Die Verantwortlichen sehen keinen Sinn in einem Zusammenschluss und fassen damit den zurzeit einzig richtigen Entschluss. Es ist gut, dass sie nicht dem politischen Druck nachgegeben haben, unbedingt eine neue deutsche Großbank schaffen zu müssen, um international mithalten zu können.
Denn eine Fusion wäre einem Pokerspiel gleichgekommen – es hätte nur Verlierer gegeben – allen voran die Mitarbeiter und die Kunden. Denn komplexe Unternehmensstrukturen und unterschiedliche Firmenkulturen sowie eine Vielzahl von Mitarbeitern hätten mit sich überschneidenden Aufgaben zusammengeführt werden müssen. Ein massiver Stellenabbau in beiden Geldhäusern wäre die Folge gewesen. Außerdem kostet eine Fusion viel Geld und erfordert eine gewissenhafte Planung. Nun können die Mitarbeiter erst mal aufatmen und sich wieder auf ihre Stärken und Aufgaben konzentrieren.
Gern wird auch vergessen, dass beide Geldhäuser für deutsche Verhältnisse schon außerordentlich groß sind. Aus der Fusion wäre allenfalls ein Scheinriese hervorgegangen. Denn schaut man in die Vergangenheit, so wäre ein Zusammenschluss letztlich ein Institut, das aus Deutscher Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank bestanden hätte – allerdings rund die Hälfte dieser Häuser weggeschrumpft und gleichzeitig immer noch an der Komplexität dieser Funktionen zu knabbern hat. Ob ein Großinstitut, das nur mit sich selbst und seinen Altlasten beschäftigt ist, wirklich eine Konkurrenz für ausländische Großbanken gewesen wäre? Wohl eher nicht.
Nun kehrt Ruhe ein, und beide Institute können sich auf das Wesentliche besinnen: eine gesunde Sanierung und eigene Stärken. Sollte die Commerzbank in der Zwischenzeit aufgekauft werden, so wäre das immer noch eine bessere Option als eine überhastete Fusion.
