Oldenburg - Mögen Boris Johnsons Anhänger vor Westminster derzeit noch so laut schreien, mag Oppositionsführer Jeremy Corbyn zum Brexit fabulieren, mögen Umfragen den Konservativen den Sieg bei der Parlamentswahl an diesem Donnerstag voraussagen – die Entscheidung in Großbritannien fällt beim Klinkenputzen an der Haustür.

Das Mehrheitswahlrecht sieht vor, dass nur der Kandidat, der in einem der 650 Wahlkreise die meisten Stimmen auf sich vereint, einen Sitz im Unterhaus erhält. Das bedeutet, dass im Wahlkampf auch mal konkret über Themen gesprochen wurde, die die Menschen in Kleinstädten und Dörfern bewegen. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS kann die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleisten, die Unsicherheit auf den Straßen ist durch das Messerattentat auf der London Bridge präsent. Die Zahl der Einwanderer soll mit einem Punktesystem reguliert werden.

Ob Boris Johnson die Mehrheit erringt und Großbritannien zum 31. Januar aus der EU führen kann, oder Jeremy Corbyn, der wegen Antisemitismusvorwürfen massiv in der Kritik steht, möglicherweise doch mit Hilfe der Liberaldemokraten und der Schottischen Nationalpartei eine Minderheitsregierung führen kann, wird sich zuletzt wegen der Spitzenkandidaten entschieden. Wählbar sind beide nicht.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)