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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Vom schamlosen Griff nach Lebensgrundlagen

20.03.2019

Oldenburg Land Grabbing hat nichts mit Buddeln im Sand zu tun. Land Grabbing („Landraffen“) ist der englische Begriff für eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit: den weltweiten Kampf um fruchtbares Acker- und Weideland.

Das bereits etwas ältere, aber ungebrochen aktuelle Buch des britischen Wissenschaftsjournalisten Fred Pearce geht damit Jeden an. Denn wer fruchtbares Land besitzt, bestimmt darüber, wer von uns überleben wird. Das klingt dramatisch oder gar dramatisierend? Ist es! Aber viel weniger als die Meisten von uns denken.

Fred Pearce gehört in der englischsprachigen Welt zu den bekanntesten Umweltaktivisten. In seinen Büchern kreist er um die Frage, wie die wachsende Erdbevölkerung ausgeglichen ernährt und die Natur als Lebensgrundlage des Menschen dennoch erhalten werden kann. Er verfolgt eine grüne Agenda, aber argumentiert selten ideologisch.

So finden sich in seinem Buch, das den Leser nach Afrika, Asien und Südamerika führt, gleichermaßen Beispiele für fragwürdiges „grünes“ Land Grabbing wie geglückte Landnahmen durch Großkonzerne. Alles in allem allerdings ist dieses Buch ein Plädoyer für bäuerliche Klein- und Mittelbetriebe und eine Kritik an landaufkaufenden Staaten, Konzernen und Superreichen.

Wer dabei an die hierzulande viel gescholtene bäuerliche Agrarindustrie denkt, liegt indes falsch. Denn die Kautschuk-, Mais- und Rinderplantagen um die es in Pearce Buch geht, sind nicht tausend oder zehntausend, sondern hunderttausende, ja Millionen Hektar groß. Und es geht nicht um Landwirte, die sich zusammenschließen, um zu überleben und weiterhin Lebensmittel zu produzieren. Es geht um Banken und Finanzkonzerne, um Staaten wie Saudi-Arabien und China, die Wasser und Nahrungsmittel als gewinnbringende Spekulationsanlage betrachten oder weltweit systematisch Land aufkaufen, um ausschließlich ihre eigene Bevölkerung zu ernähren. Dafür nehmen sie in Kauf, dass einheimische Bauern enteignet oder unangemessen entschädigt werden. Und sie sorgen dafür, dass Menschen Nahrungsmittel produzieren, von denen sie auf dem eigenen Markt nichts kaufen können: weil alles exportiert wird.

Andere Autoren als Pearce sprechen daher nur noch von „Landraub“. Pearce gut recherchiertes und detailliert belegtes Buch führt in Dimensionen und Teile der Welt, die Vielen von uns ganz weit weg und kaum beeinflussbar erscheinen. Doch wer beim Abendbrot noch einmal nachdenkt, dem wird nach der Lektüre dieser deprimierenden und aufrüttelnden Reportage vielleicht klar werden, warum jeder Apfel aus dem eigenen Garten, jeder Schuss Rapsöl von heimischen Feldern, ja selbst jedes konventionelle, aber regional produzierte Schweineschnitzel für den Erhalt der Natur und eine ausgeglichene Lebensmittelversorgung weltweit einen Unterschied macht.

Wer sie isst, braucht eben keine auf Megafarmen von Megakonzernen produzierte Sojamilch, keine Bio-Kartoffel, die mit unterirdischen Wasserreserven gewässert wurde, und keine aus Palmöl produzierte vegane Schokolade. Überall dort, wo das Agrarland denen gehört, die darauf für uns alle Über-Lebens-Mittel produzieren, werden Landwirte auch angemessen mit ihrem Land umgehen – schon aus purem Eigeninteresse. Land ist eine endliche Ressource, die gut behandelt werden will.

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