Muss man schon Mitleid haben, oder darf es noch Häme sein? SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück kann in diesen Wochen tun oder lassen, was er will – negative Schlagzeilen sind ihm gewiss. Peer im Pech.
Auch der aktuelle Versuch, außenpolitisches Terrain zu gewinnen, geriet zum neuen Akt im Trauerspiel. Seine Aufwartung beim ideologisch so nahestehenden französischen Präsidenten Hollande kam just zur Unzeit. Der Hausherr des Élysée-Palastes steckt ebenso wie sein deutscher Gast in einem dramatischen Stimmungstief.
Dass Präsident François Hollande dem Besucher nicht auf der Treppe vor den wartenden Kameraleuten die Hände schüttelte – geschenkt. Das Pariser Protokoll schreibt diese Geste des Entgegenkommens offenbar nur bei gewählten Regierungschefs vor. Doch davon ist Peer Steinbrück derzeit weiter entfernt denn je. Seine Beliebtheitswerte rangieren im Keller, so tief wie seit dem Jahre 2005 nicht. Immerhin dies hat er mit Hollande gemeinsam, der nach Pannen und Personalproblemen nur noch auf die Zustimmung von 27 Prozent seiner Landsleute hoffen kann.
Unglücklicher hätte die Terminierung des von der SPD so sehr herbei gesehnten Treffens kaum sein können. Immerhin sollte Steinbrücks außenpolitische Entgleisung vergessen gemacht werden, als er die beiden italienischen Wahlgewinner Berlusconi und Grillo als Clowns titulierte und damit nicht nur große Verärgerung in Italien auslöste. Auch sein geplantes Treffen mit Italiens Staatspräsident wurde daraufhin von Napolitano prompt abgesagt.
Doch all dies würde vermutlich nach kurzer Zeit kein Thema mehr sein, wenn Steinbrück nur authentisch rüberkäme. Aber er, der so gern Klartext redet, wirkt wie an der Voltigierleine der Parteizentrale. Ein politisches Zirkuspferd in Fesseln. Ohne die erwünschte Beinfreiheit.
Weil es die Wahlkampfregie so verlangt, muss Steinbrück kritisieren, was er vor kurzem noch aus Überzeugung vertrat. Und fordern, was er als Finanzminister in der Großen Koalition vehement ablehnte. Ob Hartz IV, Mindestlöhne, Vermögenssteuer oder richtiges Rentenalter – der Kandidat wurde auf Links gedreht. Die Menschen spüren, dass nicht drin ist, wo Steinbrück draufsteht.
