Regionale Zusammenarbeit, bessere Infrastruktur, bessere Bedingungen für die lokale Wirtschaft. Das klingt vernünftig. An hehren Zielen mangelte es in den Entwürfen beim Afrika-Gipfel nicht. Verfolgen afrikanische und europäische Staaten auf einmal dieselben Ziele? Mit hehren Zielen allein ist es bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht getan. Und hohe Ziele allein helfen auch nicht bei der Beendigung der teils katastrophalen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent.
Europa hat zu lange weggeschaut angesichts der politischen und wirtschaftlichen Katastrophen. Das hatte auch mit den eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen zu tun. Niederländische Zwiebeln, deren Anbau die EU subventioniert, verdrängen afrikanische Erzeugnisse auf den lokalen Märkten. Geflügelteile, die in Europa nicht nachgefragt werden, überschwemmen die lokalen Märkte in Afrika und verdrängen die heimischen Produzenten. Ein katastrophaler Kreislauf, der obendrein ökologische Folgen hat, wenn zuvor bewirtschaftetes Land nicht mehr der Nahrungsmittelproduktion dient.
Und auch die politischen Entwicklungen in afrikanischen Ländern waren für die Staaten Europas nur dann wichtig, wenn die eigenen wirtschaftlichen Interessen berührt waren. Ungerührt wurde die Ausbeutung von Ressourcen durch eine korrupte Oberschicht in Staaten Afrikas – siehe Kongo – geduldet. Dazu kommt, dass selbst Staaten, die Erdöl fördern, die wertvolle Ressource nicht selbst verarbeiten können und Benzin importieren müssen. Bei hehren Absichten darf es deshalb auf dem Afrika-Gipfel nicht bleiben. Die Lebensbedingungen in Afrika sind für die Millionen junger Leute, die dort jährlich auf den Arbeitsmarkt strömen, so wenig verheißungsvoll, dass nur ein radikaler Wechsel in der Sichtweise auf Afrika und im konkreten politischen Handeln Europa eine Atempause verschaffen kann. Die Verknüpfung von finanzieller Unterstützung in Sachen illegaler Migration und demokratischer Reformbereitschaft ist jedenfalls ein probates Mittel, die Ressourcen sinnvoll einzusetzen.
