Was die Linkspartei da mitten im Osterloch fordert, ist lachhaft, durchschaubar und aus der Zeit gefallen. Zudem hat es bereits parlamentarische Untersuchungen zur Tätigkeit der Treuhand-Anstalt gegeben. Das gesagt, bedeutet es nicht, dieser abstoßenden und teilweise regelrecht abscheulichen Behörde Absolution zu erteilen.

Zum einen treibt die Linkspartei natürlich schamlos Wahlkampf. Am 26. Mai wird das EU-Parlament gewählt. Einige Monate später folgen die Landtage in Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Da wollen der Linken-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch und seine Genossen schnell noch aus der verwundeten, von der Treuhand auch wirklich vielfach traumatisierten ostdeutschen Seele Kapital schlagen.

Zum anderen geht es aber um mehr, nämlich um Geschichtspolitik. Die Linke in diesem Land – und nicht nur die Linkspartei ist damit gemeint – versucht in jüngster Zeit die DDR zu rehabilitieren, um das abschreckende Beispiel für sozialistische Wirklichkeit zu relativieren, es aus der Welt zu schaffen. Da werden Aufklärer über DDR-Verbrechen wie der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, aus dem Amt gedrängt. Da finden klandestine „wissenschaftliche“ Tagungen statt, auf denen DDR-Bürgerrechtler diffamiert werden und die Parole ausgegeben wird: „Es war ja nicht alles so schlimm!“ So will man die Bahn für neue sozialistische Experimente frei bekommen. Nun geht es der Linkspartei darum, ihr wirtschaftliches Totalversagen zu verschleiern, als sie noch als SED die DDR beherrschte. Fakt ist jedoch: Sozialistisches, kollektivistisches Wirtschaften und dessen ideologische Grundlage, der Marxismus, sind die alleinigen Ursachen der ökonomischen Katastrophe in der DDR. Da hat es die Treuhand nicht gebraucht.

Andererseits war die jedoch ein gänzlich unappetitlicher Verein, der dann auch noch die wenigen, durchaus existierenden marktfähigen Betriebe zwecks Konkurrenzbereinigung entweder für ein Butterbrot verscherbelt oder plattgemacht hat. Und: Wer in der Ex-DDR erinnert sich nicht an die präpotenten Treuhand-Gel-Schnösel, die immer alles besser wussten? Von den massiven Korruptions- und Betrugsfällen bei der Privatisierung ganz zu schweigen.

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk