Ein hervorragendes und spektakuläres Fußballspiel ist nun auf eine Frage reduziert worden: War der Elfmeter für Bayern München im Pokalspiel bei Werder Bremen berechtigt? Meine Meinung lautet: Man kann den Strafstoß geben. Denn es ist schlicht ungeschickt, dass Werder-Verteidiger Theodor Gebre Selassie im Zweikampf mit dem Münchner Kingsley Coman so sehr den Arm ausfährt.

Dass viele Bremer nun kritisieren, der Videoschiedsrichter hätte eingreifen müssen, geht an Sinn und Zweck dieser noch immer relativ neuen Institution vorbei. Denn der inzwischen viel zitierte Keller in Köln ist dazu da, krasse Fehlentscheidungen zu verhindern beziehungsweise zu korrigieren. Und wenn ein Abwehrspieler im Strafraum einen Stürmer anrempelt und dieser dann hinfällt, ist das Verhängen eines Elfmeters eben keine krasse Fehlentscheidung. Es lag im Ermessensspielraum des Schiedsrichters, so oder so zu entscheiden. Der Unparteiische Siebert entschied sich für die Strafstoß-Variante – und das kann er durchaus, ohne dafür korrigiert zu werden. Es war kein Muss-Elfmeter, sondern eben ein Kann-Elfmeter.

Und bei allem Verständnis für die Erregung der Werder-Fans nach einem großen Fußball-Abend: Was wäre gewesen, wenn beim Stand von 2:2 in der 80. Minute Bayern-Verteidiger Mats Hummels im Strafraum so sehr Milot Rashica angerempelt hätte, dass dieser hinfällt?

Die Entscheidung zeigt, dass auch die Einführung des Videoschiedsrichters nicht für das Ende aller Diskussionen gesorgt hat. Und das wäre auch schade, wenn nicht mehr so emotional über eine Schiedsrichter-Entscheidung gestritten werden würde. Schade wäre nur, wenn die großartige Bremer Leistung von Mittwochabend bald völlig von der Elfmeter-Frage überdeckt würde.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)