Pro: Es geht um Jobs
Von Herrmann Gröblinghoff
Jetzt werden diesen Millionären auch noch Steuermillionen hinterhergeworfen. Diesen Vorwurf wird man wohl nicht selten hören angesichts der Tatsache, dass die NRW-Regierung möglicherweise für einen Kredit an den Bundesligisten Schalke 04 bürgt. Zugegeben, auf diesen Gedanken könnte man kommen. Doch genauer betrachtet ist die Hilfe gerechtfertigt. Aus diesen Gründen:
1. Schalke ist nicht nur ein Fußballclub, mit dem sich Zehntausende identifizieren, sondern bietet vielen Menschen im Ruhrgebiet Lohn und Brot. Gehen die Königsblauen pleite, droht der eh nicht gerade boomenden Region weiteres wirtschaftliches Ungemach. Das zu verhindern, ist nun mal Aufgabe der Landesregierung.
2. Natürlich ist der Revierclub nicht unschuldig an der prekären Lage, in der er sich befindet. Zwar bietet Schalke seit Jahren pure Emotion, sorgt aber eben immer wieder auch für Skandale und Diskussionen. Vielleicht lieben gerade deshalb viele Fans diesen Verein. Dass Schalke nun aber akut bedroht ist, hat in erster Linie mit Corona zu tun. Die Zuschauer bleiben weg, das reißt ein riesiges Loch in die Clubkasse. Damit konnte niemand rechnen.
3. Schalke besorgt sich den Millionen-Kredit am freien Markt, das Land bürgt lediglich für diese Summe. Nur bei einer Insolvenz müsste der Steuerzahler einspringen.
4. Einhergehen muss mit dieser Bürgschaft eine Änderung der Vereinspolitik. Der Club darf nicht mehr über seine Verhältnisse leben. Vor allem die Profis – aber auch andere Schalker Topverdiener – müssen auf Gehalt verzichten. Würden weiter hohe Millionengehälter gezahlt, wäre das niemandem zu vermitteln.
Contra: Keine Extrawurst
von Hauke Richters
In Bremen hatte der Innensenator den Mut, sich mit dem System Profifußball anzulegen und stellte Werder Bremen einen Teil der Polizeieinsatzkosten, die bei Heimspielen verursacht wurden, in Rechnung. Das war überfällig. Und was plant nun die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen? Die kommt nicht etwa auf die Idee, das in den vergangenen Jahren völlig aus den Fugen geratene System ebenfalls wieder einzufangen. Nein, stattdessen will sie Schalke 04 noch Geld hinterhertragen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Die Schalker bekommen alljährlich zig Millionen Euro von einem russischen Staatskonzern, der im Stadion und auf den Trikots werben darf, dazu gab es immer wieder üppige Zuwendungen vom nun zurückgetretenen Aufsichtsrats-Chef und Fleischkönig Clemens Tönnies. Und weil dieses Geld einfach nicht reichte, um zumindest mittelmäßigen Bundesligafußball zu spielen (für weniger als eine Million im Jahr spielt ja keiner mehr), soll nun der Steuerzahler haften. Es ist ein seltsames Verständnis, das auf Schalke herrscht. Einst schlug der fraglos erfinderische Manager Rudi Assauer vor, dass die Rundfunkgebühren um einen Euro erhöht werden sollten, damit ARD und ZDF für viel Geld Bundesliga-Übertragungsrechte kaufen könnten. Tenor auch hier: Das Geld der Menschen hat gefälligst in die Kassen der Schalker zu fließen.
Dieser Verein bietet ohne Zweifel Spektakel und Emotionen wie kaum ein anderer in Deutschland. Doch man muss noch nicht einmal Fan des Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund sein, um zu sagen: Das berechtigt ihn nicht dazu, sich von der Allgemeinheit alimentieren zu lassen.
Hinweis:
Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch keine Entscheidung über eine Bürgschaft für den FC Schalke 04 getroffen. Das Handelsblatt hatte am Dienstag berichtet, die Regierung wolle den Proficlub mit einer 40-Millionen-Euro-Bürgschaft unterstützen. Darauf hatte es Proteste gegeben.
