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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Ein „geschlechtergerechter“ Duden?

12.06.2018

Freese: Überbleibsel des Patriarchats

Mathias Freese

Lieber Leser – ja, Sie sind natürlich mitgemeint, lieber weiblicher Leser. Also, liebe Leser: Hand aufs Herz: Ist das nicht ein bisschen absurd? Haben Sie nicht doch überlegen müssen? Kein Wunder. Die Formulierung ist nämlich völlig unklar. Das Wort „Leser“ ist schließlich männlich. Im Generischen Maskulinum seien Leserinnen aber mitgemeint, heißt es. Dass das nicht stimmt, belegen viele Studien. Selbst wenn es stimmte: „Mitgemeint“, klingt wie so ein Anhängsel.

Tatsächlich wird die Frau in der Formulierung unterdrückt. Das zeigt, wie veraltet dieses Überbleibsel des Patriarchats ist. Und dass wir das dringend aufarbeiten müssen.

Wir brauchen eine Alternative, und die gibt es schon. Bei „Leser*in“ ist klar: Alle sind gemeint – männlich, weiblich, und alle anderen. Darum sollte sich Duden auch nicht scheuen, den Stern aufzunehmen. Nicht als verbindliche Vorgabe für jeden Brief an Oma oder Roman-Autor*innen, das ist auch nicht das Ziel. Sondern als Empfehlung.

Auch nicht als der Weisheit letzter Schluss, denn Sprache wandelt sich so oder so. Der Genderstern wird ja bereits oft angewendet, unter anderem im Berliner Koalitionsvertrag. Der Stern oder eine andere Form geschlechtergerechter Sprache ist unausweichlich.

Deshalb muss der Duden erklären, wie das Gendern funktioniert – so, dass niemand mehr überlegen muss.

Brockmeyer: Nur ein Nebenkriegsschauplatz

Anke Brockmeyer

Was ändert das *innen im Verhältnis zwischen Männern und Frauen? Nichts, behaupte ich. Sprache kann verräterisch sein, Menschen ausgrenzen oder ignorieren, das stimmt. Aber sie kann auch reine political correctness sein, ein Lippenbekenntnis, hinter dem keine echte Überzeugung steckt.

Der Kampf um das Sternchen ist ein – verzichtbarer – Nebenschauplatz im Kampf um die Gleichberechtigung. Chancengerechtigkeit im Alltag zu leben ist weitaus wichtiger, als in jedem Satz Bürgerinnen, Schülerinnen, Politikerinnen in einem Atemzug mit ihrem männlichen Pendant zu erwähnen.

Noch immer wird mit zweierlei Maß gemessen. Warum verdienen viele Frauen weniger als Männer im gleichen Beruf? Warum erledigen sie trotz Vollzeitjobs noch immer den Großteil der Hausarbeit? Warum wird über das Aussehen von Politikern kein Wort verloren, während Angela Merkels Dekolleté und Frisur die Klatschspalten füllen? Solange Frauen noch immer um Plätze in der Gesellschaft kämpfen müssen, die Männern ganz selbstverständlich zugestanden werden, so lange hilft uns kein Sternchen.

Und wenn wir irgendwann echte Gender-Gerechtigkeit erreicht haben, dann brauchen wir kein *innen mehr. Denn dann ist die Gleichberechtigung in den Köpfen angekommen und nicht nur auf dem Papier.

Mathias Freese
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2032

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