Welch’ ein Ausbruch von Hass und Gewalt: getötete US-Diplomaten, erschossene Demonstranten, Hunderte Verletzte, zerstörte amerikanische Vertretungen, hassverzerrte Gesichter auf den Straßen, ein kaum zu bändigender Mob in zahlreichen arabischen Staaten – die Welt erlebt ein hochexplosives Aufeinandertreffen westlichen Lebensverständnisses mit fanatisierten Muslimen.

Damit kein Zweifel aufkommt: Natürlich verletzt ein offenbar in den USA produziertes Schmäh-Video über den Propheten Mohammed die religiösen Gefühle von gläubigen Muslimen. Eine islamfeindliche Schundproduktion, die den Religionsstifter als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld zeigt, und die nur ein Ziel hat: zu provozieren. Wenn dabei Grenzen überschritten wurden, wofür viel spricht, dann ist das ein Fall für die amerikanische Justiz, jedoch kein Grund für Lynchjustiz an unschuldigen US-Bürgern. Diese Eruption von Wut und Gewalt zu stoppen, ist jetzt Aufgabe der jeweiligen Regierungen. Sie werden sich messen lassen müssen an den offiziellen Worten der Verurteilung und den konkreten Gegenmaßnahmen. Nicht nur die diplomatischen Vertretungen gehören geschützt, auch die Bürger aus westlichen Ländern.

In einer freiheitlichen Gesellschaft kann es kein Tabu geben, sich kritisch mit einer anderen Religion als der eigenen auseinanderzusetzen – siehe Mohammed-Karikaturen. Keine noch so schlimme Grenzüberschreitung rechtfertigt aber die Reaktionen auf muslimischer Seite. Es ist gut, dass der Islamrat in Deutschland die Gewaltexzesse unmissverständlich verurteilt, sie sogar als Terror brandmarkt.

Tatsächlich spricht viel dafür, dass hinter den feigen Morden extremistische Kräfte stecken, die mindestens so gefährlich wie Al Kaida sind. Die Drahtzieher haben nur auf eine solche Gelegenheit gewartet. Ihnen geht es nicht um das Video, sondern um den Kampf gegen Amerika bis zur Vernichtung.

Umso schlimmer, dass in Deutschland ein paar rechte Unbelehrbare dieses Feuer noch anheizen und das Video auch in Deutschland zeigen wollen. In dieser explosiven Situation braucht man alles andere, aber kein Spiel mit der Lunte an einem Pulverfass.