Sollte die Wehrpflicht in diesen Zeiten abgeschafft werden, ein Verteidigungsminister würde daran wohl scheitern. Aufgrund der vielen Bedrohungen – Syrien-Krieg und IS-Terror, Unruhen in Afghanistan, Konflikt mit Russland – würde sich das Parlament nicht trauen, diesen Schritt zu gehen. Zu groß wäre die Sorge, nicht mehr genügend Soldaten stellen zu können.

Doch daraus zu folgern, die Wehrpflicht jetzt wieder einführen zu müssen, wäre falsch. Die Bundeswehr benötigt heute keinesfalls mehr die Masse an Soldaten, sondern hoch qualifiziertes Personal. Nicht junge Menschen, die zum Dienst gezwungen werden, sind gefragt, sondern Männer und Frauen, die hochtechnische Waffensysteme bedienen können. Das könnte in einem sechsmonatigen Wehrdienst, wie er zuletzt vorgeschrieben war, kaum erlernt werden. Der Weg muss ein anderer sein: Mit attraktiven Bedingungen Fachkräfte an sich binden. Das funktioniert allerdings nur über eine angemessene Bezahlung.

Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff Politikredaktion (Newsdeskmanager)