Boris Pistorius hat schnell erkannt, was er sich auf dem schwierigsten Ministerposten im Kabinett nicht leisten kann: Zögern und Unentschlossenheit. Eine Schonzeit oder die längst überholte 100-Tage-Frist gilt für Spitzenpolitiker unter den heutigen Bedingungen einer Beobachtung rund um die Uhr in den sozialen Medien ohnehin nicht mehr. Erst recht nicht zu Zeiten eines brutalen Krieges in Europa und einer dadurch verschärften Lage für die eigene Truppe, die zwingend Munition und neue Panzer braucht, weil sie einen Teil davon an die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Verteidigungskampf gegen Russland abgegeben hat.
Pistorius baut das Ministerium um wie lange kein Verteidigungsminister vor ihm. Minister Knallhart. Es sind überfällige Entscheidungen in der Sache, auch wenn sie am Ende auch Pistorius selbst schützen, wenn er die Bundeswehr wieder zu einer wirklich einsatz- und verteidigungsfähigen Armee macht. Doch der politische Selbstschutz ist nicht der Antrieb dieses Inhabers der Befehls- und Kommandogewalt. Pistorius will diesen Job, und er will ihn richtig machen. Dazu braucht er die richtigen Leute an seiner Seite. Wenn er jetzt auch noch die Leitungsebene seines Hauses verkleinert, tut er dies auch in der Überzeugung, dass er schnelle Entscheidungen braucht und keine überdimensionierten Umlaufmappen.
Dabei weiß er, dass die harten Tage auch für ihn erst noch kommen, weil noch keine Ministerin und kein Minister dieses Amt ohne Schrammen verlassen hat. Allein die hochkomplexe Materie des sogenannten Beschaffungswesens der Bundeswehr ist eine permanente Gefahr für den Minister, der politisch dafür geradesteht, wenn ein milliardenteures Großprojekt nicht funktioniert. Da helfen auch keine teuren Beraterzirkel. Wissen, Expertise und Personal haben das Verteidigungsministerium und seine nachgeordneten Behörden genügend. Pistorius macht sich mit seinen Reformplänen nun daran, es richtig einzusetzen.
