Berlin kann offenbar nicht normal. Nachdem bereits die Wahl zum Abgeordnetenhaus aufgrund chaotischer Zustände wiederholt werden musste, kam es nun auch bei der Wahl Kai Wegners zum Regierenden Bürgermeister zu politischen Turbulenzen. Drei Wahlgänge brauchte der CDU-Mann, um in sein Amt zu kommen. Nicht wenige dürften sich zeitweise an Heide Simonis und ihre gescheiterte Wahl zur Ministerpräsidentin in Schleswig-Holstein im Jahr 2005 erinnert haben.
Das Spektakel im Berliner Abgeordnetenhaus macht deutlich: Die Koalition aus CDU und SPD ist alles andere als eine Liebesheirat. Vor allem zahlreiche Sozialdemokraten beäugen das Bündnis mit großer Skepsis. Das hatte sich bereits bei der Abstimmung der Basis gezeigt, als nur gut 54 Prozent für die Groko stimmten.
Der Schwenk, den die SPD hin zum neuen Partner gemacht hat, ist wahrlich gewaltig. Von einem ganz linken Bündnis mit Grünen und Linken hin zu einer Zusammenarbeit mit einer konservativen Partei – diesen Weg scheinen viele Genossen nicht mitgehen zu wollen. Die Ereignisse am Donnerstag dürften ein Vorgeschmack darauf sein, was die künftig Regierenden erwartet. Es wird immer wieder Widerstand von vielen Seiten geben – auch aus den eigenen Reihen.
