Duschanbe - Es gibt viel zu reparieren. Viel zu retten. Und auch einiges zu verlieren. Es geht sowohl um Zehntausende Menschenleben wie auch um den Ruf dieser Bundesregierung, die wegen ihrer Politik, vor allem wegen ihres Zögerns in der Afghanistan-Katastrophe einigermaßen ramponiert dasteht.
Der deutsche Außenminister will bei seinem diplomatischen Parforceritt durch Usbekistan, Tadschikistan, Pakistan und Katar für die schnelle Aufnahme von schutzbedürftigen Afghanen wie auch von deutschen Staatsbürgern werben, die bei der Evakuierung noch nicht außer Landes gebracht werden konnten.
Die Bundesregierung weiß, dass sie jetzt eine Bringschuld hat. Besser heute als morgen. Sie hätte es besser machen können, hat es aber versäumt. Deswegen jetzt auch das Tempo bei der Reise des Außenministers. Die Bundesregierung hat ihr Wort gegeben, dass sie alle jene, für die sie Verantwortung hat, vor dem Zugriff, vor der Willkür und vor der Gewalt der Taliban retten will. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch Usbekistan, Tadschikistan und Pakistan keine Paradiese sind, sondern unter der Knute reichlich autoritärer Machthaber stehen.
Die Bundesregierung hat sich durch eigenes Zögern in eine schlechte Verhandlungsposition und Tausende Menschen in eine höchst gefährliche Situation gebracht. Maas muss nun diplomatische Kanäle – auch zu den Taliban – auftun.
Ein Drahtseilakt. Vermutlich ein teurer noch dazu, auch weil die Taliban neben politischer Anerkennung Geld wollen. Der deutsche Außenminister versucht gerade, eine überstürzte Abzugspolitik mit allen Folgen im Nachhinein irgendwie wieder zu reparieren.
