Andreas Scheuer war bislang nicht gerade dafür bekannt, den Umwelt- und Klimaschutz voranzutreiben. Im Gegenteil: Er kam vor allem als Minister daher, der die Interessen der Autoindustrie vertrat. Deshalb kam sein jetziger Vorschlag, für Tickets im Bahn-Fernverkehr nur noch 7 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer zu erheben, durchaus überraschend.

Falsch ist er dennoch nicht. Denn nur wenn die Bahn attraktiver wird, werden mehr Menschen auf die Schiene umsteigen. Die Reise per Bahn muss zeitlich und bei den Kosten mit Flugreisen oder der Autofahrt konkurrieren können. Wenn etwa für die identische Strecke ein Flug nur die Hälfte eines Bahntickets kostet, werden viele nicht bereit sein, die umweltfreundliche Variante zu wählen. Sollte Scheuers Plan in die Tat umgesetzt werden, sind deshalb zwei Dinge wichtig: Die Bahn muss eine mögliche Steuersenkung unbedingt an die Kunden weitergeben; zudem sind weitere Investitionen erforderlich (Netzausbau, Digitalisierung).

Nur am Rande sei erwähnt: Scheuers Vorschlag ist nicht neu, die Grünen hatten ihn in früheren Zeiten bereits auf die politische Agenda gebracht. Doch manchmal braucht Gut Ding eben Weile.

Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff Politikredaktion (Newsdeskmanager)