Es war der vormalige Landesinnenminister Uwe Schünemann, der im Zuge einer höchst umstrittenen Organisationsreform das Amt der Polizeipräsidenten erfand. Die teils nachvollziehbare, teils willkürlich wirkende Zuordnung polizeilicher Zuständigkeiten sowie die Schaffung neuer Positionen trug das wohlfeile Etikett der Effizienzsteigerung. Der endgültige Beweis steht bis heute aus.

Die Zusammenlegung der Einsatzleitstellen von Polizei und Feuerwehr zählte dabei noch zu den sinnvollen Veränderungen, die Ausdünnung von rund um die Uhr besetzten Polizeiwachen in der Fläche blieb bis heute bei den um die Sicherheit besorgten Bürgerinnen und Bürgern unpopulär. Die Besetzung der Präsidentenstühle mit erfahrenen Praktikern, darunter eine Frau (in Osnabrück), galt in der Öffentlichkeit jedoch als gelungener personeller Schachzug. Dass diese regionalen Polizeichefs der vormaligen Landesregierung politisch näher standen als der Opposition – wen wundert’s? Mindert das ihre Qualifikation?

Viele mögen sich heute an die ehemaligen Regierungspräsidenten erinnert fühlen, deren Halbwertzeit im Amt nach einem Machtwechsel in Hannover eher in Stunden denn in Tagen zu bemessen war. Doch der Vergleich ist unzulässig. Regierungspräsidenten waren der verlängerte Arm der Landesregierung, sie mussten wie Landesminister nach Wahlniederlagen ihre Schreibtische räumen.

Die Polizeipräsidenten, unabhängig qua Amt, geraten nun zwangsläufig in den Verdacht, den jeweils Regierenden in Hannover gefällig sein zu müssen. Der fatale Eindruck einer rot-grünen Polizei zieht das Ansehen der gesamten Polizei in Mitleidenschaft. Der neue SPD-Innenminister Boris Pistorius stellt offenbar die Versorgung politisch Nahestehender, darunter ein Gewerkschaftsvorsitzender, über das Renommee der Polizei in Niedersachsen.

Dass es auch anders geht, zeigte die neue rot-grüne Landesregierung in NRW: Sie beließ die Polizeipräsidenten nach Amtsantritt in ihren Ämtern.

Oldenburgs künftiger Polizeichef, ebenfalls ein erfahrener Praktiker, folgt mitnichten einem Amtsinhaber ohne Fortune, sondern einem erfolgreichen Ermittler und Behördenleiter. Hans-Jürgen Thurau schaffte, was nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Er organisierte die Behörde geräuschlos neu. Sein Abgang ist unverdient.