Angela Merkel hat zuletzt den Eindruck erweckt, dass sie zum Ende ihrer Amtszeit vor allem Termine wahrnimmt, auf die die Kanzlerin Lust hat. CDU-Parteitermine und Wahlkampf gehören eher nicht dazu, Außenpolitik und die Inbetriebnahme des größten Ostsee-Windparks dagegen schon.
Nimmt man den Merkelschen Terminkalender als Maßstab, müsste Offshore-Windkraft eigentlich eine Herzensangelegenheit der Kanzlerin sein. Zuletzt erweckte ihre Regierung allerdings eher einen gegenteiligen Eindruck. Der Ausbau wurde stark gedrosselt, der Netzausbau kommt nur schleppend voran, ein langfristiger Plan ist nicht erkennbar.
Dabei sind zehn Jahre Windkraft auf See in der Tat eine Erfolgsgeschichte. Deutschland gehört zu den Pionieren, Windstrom ist mittlerweile wettbewerbsfähig, Zehntausende Arbeitsplätze sind entstanden. Doch mit ihrer wenig ambitionierten Politik läuft die Regierung Gefahr, die gleichen Fehler zu machen wie bei der Solarenergie. Werke schließen, Hersteller, zuletzt Senvion, rutschen in die Insolvenz, Stellen werden gestrichen, die Musik spielt andernorts.
Dabei wird ohne einen weiteren Ausbau der Offshore-Windkraft die Energiewende nicht zu meistern sein. Was die Branche braucht, sind Verlässlichkeit, Planungssicherheit und eine Anhebung des Kapazitätsdeckels. Vielleicht verspürt die Kanzlerin ja Lust, an diesem Dienstag auf Rügen der Branche den dringend benötigten Rückenwind zu geben.
