Es ist vollkommen verständlich, dass ein gläubiger Christ an Weihnachten in die Kirche geht, vor Ostern fastet und den Karfreitag besinnlich verbringt. Vollkommen unverständlich ist aber, das auch von mehr als 30 Millionen anderen Menschen zu verlangen, ohne auf deren Überzeugungen Rücksicht zu nehmen. Doch genau das passiert mit dem Tanzverbot am Karfreitag.

Seit 1919 ist Deutschland ein säkularer Staat – oder besser: sollte es sein. Denn der Einfluss der Kirche reicht trotz schwindender Bedeutung eben doch noch in den Alltag eines jeden – sei es im Rundfunkrat oder im Kalender. Der Ruf nach dem Ende des Tanzverbots hat nichts mit fehlendem Respekt vor dem Christentum zu tun, sondern mit der Ablehnung von Bevormundung.

Warum muss ausgerechnet ein religiöser Feiertag still sein? Warum wird auch Menschen, die nicht an Jesus glauben, das Feiern verboten? Und warum ist es respektlos, am Karfreitag zu tanzen, aber in Ordnung, sich in einer Kneipe volllaufen zu lassen?

Es gibt bessere Tage, um an das Leiden zu erinnern – unabhängig von Konfessionen.