Von Beschwerden seitens der Autoren, bei denen Annette Schavan ohne Quellenangabe abgeschrieben hat, ist nichts bekannt. Juristische Schritte sind nicht in Sicht. Und ihre Ämter und Aufgaben könnte die CDU-Politikerin ohne Doktortitel genauso gut ausüben wie bisher.

Trotzdem kann die Bildungsministerin nach der Entscheidung des Fakultätsrats am Dienstagabend nicht länger ihr Amt ausüben. Nach der Feststellung, Schavan habe „systematisch und vorsätzlich“ abgeschrieben, ist eigentlich nur noch ein Schritt möglich – zügig zurückzutreten. Damit kann sie sich und der Bundesregierung immerhin eine quälende Debatte ersparen.

Wer die treibende Kraft hinter den Vorwürfen gegen Schavan ist und ob das Vorgehen der Universität politisch motiviert ist, wie Parteifreunde Schavans behaupten, wird sich vielleicht nie endgültig klären lassen.

Tatsache ist, dass Schavan mit ihren kritischen Worten damals zum Plagiatsfall Karl-Theodor zu Guttenberg die Messlatte für sich selbst hoch gelegt hat. Die Opposition wird keine Gelegenheit auslassen, Schavan an ihre Worte zu erinnern. Dass es eine amtierende Bildungsministerin mit den Regeln des wissenschaftlichen Betriebs nicht so genau genommen hat, würde Wahlkampf-Munition für jeden Tag bis zum 22. September liefern.

Mit ihrem Kampf gegen die Aberkennung des Doktortitels kann Schavan nichts gewinnen – aber noch mehr verlieren. Ob das Verfahren der Universität fehlerhaft war oder nicht, ist jetzt nicht entscheidend. Mit jeder Rechtfertigung und mit jedem Gegenangriff setzt sich Schavan dem Vorwurf aus, an ihrem Posten zu kleben. Vor einem Jahr musste das der damalige Bundespräsident Wulff erleben.

Schavan setzt die Reihe der Plagiatsfälle bei Dissertationen bekannter Politiker fort. Neben dem damaligen CSU-Verteidigungsminister zu Guttenberg gehören die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis dazu. Die drei verbindet, dass sie sich persönlichen Konsequenzen aus dem Verfahren trotzig verweigert haben. Schavan gilt als Politikerin aus einem anderen Holz; an Werten orientiert und nicht karriereversessen – das könnte sie nun unter Beweis stellen: mit ihrem schnellen Rücktritt.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)