Einer Parteivorsitzenden, der auf einem Parteitag, ihrem Parteitag, nicht mehr zugehört wird, ist keine Parteivorsitzende. Frauke Petry wird als Vorsitzende zurücktreten, sie muss zurücktreten. Die Delegierten des Bundesparteitags der AfD haben sie in die Ecke gestellt und dabei noch öffentlich ausgebuht. Die Delegierten hatten es abgelehnt, sich mit einem von ihr formulierten Zukunftsantrag überhaupt zu befassen, mit dem sie eine strategische Neuausrichtung erzwingen wollte. Klatsch, Ohrfeige Nummer eins. Auch ihren Antrag , die Partei möge sich bitte festlegen, dass für „rassistische, antisemitistische, völkische und nationalistische Ideologien“ in der AfD kein Platz sei, fegten die Delegierten vom Tisch. Klatsch, Ohrfeige Nummer zwei. Nebenbei: Was für eine Aussage, schlimm.

Und Petrys Reaktion darauf: Dieses Mal flossen keine Tränen, dieses Mal erklärte sie, Vorsitzende bleiben zu wollen. So trotzköpfig generierte sich zuletzt auf der politischen Bühne Gerhard Schröder, als er nach der verlorenen Bundestagswahl im September 2005 darauf beharrte, Bundeskanzler bleiben zu wollen. Bernd Lucke, immerhin der Parteigründer der AfD, hatte zumindest den Anstand sofort zu gehen, als er von Petry gestürzt wurde.

Warum nur hält eines der bekanntesten Gesichter der Alternative für Deutschland erneut die Wange hin, nachdem es in Köln schon für beide Wangen eine Watschen gegeben hat? Es gibt dafür drei Szenarien. Erstens: Die 41-Jährige klebt bereits an ihrem Stuhl und ist blind für ihr politisches Umfeld geworden. Das bezweifel ich. Zweitens: Frauke Petry glaubt wirklich daran, aus ihrer nun neu definierten Nebenrolle noch den Anschein wahren zu können, die AfD stehe für ein bürgerliches Lager, wie es Petry beschreiben wollte. Ein ebenfalls eher unwahrscheinliches Szenario. Geschehen wird wohl drittens: Der Bundesparteitag war schon für Frauke Petry chaotisch genug. Sie wird in Raten abtreten, aber letztendlich den Vorsitz abgeben.

Bleibt die Frage zu klären, ob diese Petry-Demontage der AfD schaden wird? Nein. Wenn überhaupt, kostet diese Personalie maximal einen Prozentpunkt. Die AfD wird nicht wegen ihrer Kandidaten gewählt, sondern aus Protest und weil ihre Wähler eine radikal andere Politik wollen.