Es ist das übliche machtpolitische Geplänkel nach einer Wahl, aber es nervt. Da plaudern CDU-Politiker munter über mögliche Steuererhöhungen, die sie vor einer Woche noch ausgeschlossen hatten. Wenige Tage später gibt CSU-Chef Horst Seehofer den Bürgern sein Wort, dass die Union keinesfalls die Steuern erhöhen werde. Niemals, nie, ausgeschlossen.

Derweil macht Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin den Konservativen ein Gesprächsangebot – unter der Bedingung, dass diese sämtliche Wahlkampfforderungen der Grünen erfüllen. Dabei war eben dieser Trittin gerade von allen Ämtern zurückgetreten.

Wer bitte soll das noch ernst nehmen?

Die Zeit nach der Wahl ist eine Zeit für Gespräche miteinander – nicht übereinander. Wer jetzt versucht, den Preis für eine Koalition mit Maximalforderungen hochzutreiben, riskiert, dass einer der künftigen Partner schon zu Beginn der möglichen Zusammenarbeit das Gesicht verliert. So etwas fördert nicht gerade das Vertrauen und die spätere Regierungsarbeit.

Die zweite, noch viel größere Gefahr ist, dass die Erwartungen der eigenen Parteimitglieder durch voreilige Festlegungen derart gesteigert werden, dass am Ende kein vertretbarer Koalitionsvertrag mehr erreicht werden kann. Und falls doch, kann ihn die Basis per Mitgliederentscheid wieder kippen – so hat es zumindest die SPD angekündigt.

All dies gefährdet die Bildung einer neuen Regierung. Und zumindest bei Seehofer und Trittin muss man befürchten, dass genau dies auch bezweckt wird. Aus taktischen und parteipolitischen Überlegungen mag das richtig sein, staatspolitisch ist es grundfalsch und gefährlich. Zur Erinnerung: Europa steckt in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Um diese zu meistern, brauchen wir in Deutschland keine italienischen Verhältnisse, sondern eine stabile und verlässliche Regierung. Die schafft man am besten durch Verhandlungen – sachlich und ohne Vorbedingungen. Über die Ergebnisse darf dann geredet und gestritten werden, wohlgemerkt hinterher. Bis dahin sollten sich die Akteure ein Beispiel an der Kanzlerin nehmen, die derzeit das einzig Richtige tut: schweigen.