Wer den Umschlag des ersten halben Jahres auf dem Wilhelmshavener Containerhafen Jade-Weser-Port betrachtet und zur Grundlage seines Urteils macht, kommt ohne Zweifel zu einem verheerenden Ergebnis.
Die 33 000 Stahlkisten, die dort seit der Hafeneröffnung im September bewegt wurden, sind fraglos eine Enttäuschung. Aber sind sie auch eine Überraschung? Nicht wirklich. Schließlich hatte Hafenbetreiber Eurogate bereits 2009, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, dafür plädiert, beim Bau des Superhafens etwas auf die Bremse zu treten. Das Unternehmen wollte erst dann mit dem Jade-Weser-Port an den Markt gehen, wenn sich die Weltwirtschaft etwas stärker erholt habe.
Die Folge war ein heftiger Streit mit den verantwortlichen Landespolitikern, die darauf beharrten, dass es im Sommer 2012 eine Eröffnungsfeier geben müsse – schließlich standen im Januar 2013 Wahlen an. Am Ende gab es einen Kompromiss. Ein Teil der Hafenfläche wurde in Betrieb genommen, der Rest weitergebaut.
Zum Rumpelstart des Hafens gehörten dann die Mängel an der Spundwand der Kajenfläche. Solche Nachrichten sind naturgemäß nicht geeignet, Reedereien zu gewinnen, sich für den Jade-Port zu entscheiden. Der vorsichtige Kaufmann wartet dann zunächst ab.
Angesichts dieser Probleme war es völlig unverständlich, dass sich die beteiligten Parteien nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen konnten. Statt einer konzertierten Aktion zur Förderung des neuen Hafens legte die landeseigene Realisierungsgesellschaft so hohe Hafengebühren fest, dass Betreiber Eurogate keinen anderen Ausweg mehr sah, als vor Gericht gegen die Entscheidung vorzugehen. Ein völlig unnötiger Streit.
Inzwischen versuchen beide Seiten, sich wieder anzunähern und gemeinsam und nicht gegeneinander zu arbeiten. Das ist dringend auch nötig. Denn bislang haben die negativen Begleittöne davon abgelenkt, dass der Jade-Weser-Port tatsächlich beste Bedingungen bietet. Nicht nur seewärts, sondern auch ins Hinterland geht es ohne Störungen. Und weil das so ist, sind auch Urteile über den Jade-Weser-Port nach einem halben Jahr deutlich verfrüht.
