Die britische Premierministerin Theresa May wird gern als geschickte Pragmatikerin beschrieben. Mit der Ankündigung von Neuwahlen wird sie dieser Charakterisierung wieder einmal voll gerecht. Denn anders als einen geschickten, pragmatischen Schachzug kann man diesen Schritt kaum bewerten.
In Umfragen stehen ihre konservativen Tories derzeit glänzend da. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov etwa sieht sie bei 44 Prozent der Stimmen, die oppositionelle Labour-Partei liegt am Boden, kommt nur auf 23 Prozent. Die Hälfte der Wähler (50 Prozent) favorisiert zudem May als Premierministerin. Labour-Chef Jeremy Corbyn wird hingegen lediglich von 14 Prozent unterstützt. Es ist also nicht gerade unwahrscheinlich, dass die Konservativen bei baldigen Neuwahlen nicht nur wieder als Sieger hervorgehen, sondern sogar ihre derzeit knappe Mehrheit zu einer absoluten Mehrheit ausbauen werden.
Das wiederum dürfte Theresa May bei den schwierigen Brexit-Verhandlungen den Rücken stärken. Sie müsste nicht bei jedem kleinen Detail um Unterstützung auch der letzten Torie-Hinterbänkler oder der Oppositionsabgeordneten betteln. Auch hätte sie für ihre Regierungsarbeit, insbesondere für ihre Interpretation des Brexits, endlich ein Mandat des Volkes. Ein Mandat, das sie sicherlich nicht im Jahr 2020 erhalten würde, wenn die Briten bereits negative Auswirkungen des EU-Ausstiegs zu spüren bekommen.
