Es ist ein albernes Ritual, das mit Recht immer mehr Menschen auf die Nerven fällt. (Fast) jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt islamische Terroristen einen Massenmord begehen, wird in Berlin das Brandenburger Tor in den Farben des Tatorts angestrahlt. Bisher war das nur eine Geste der Hilflosigkeit. Nach dem St. Petersburger Anschlag ist es aber zu einem peinlichen Politikum geworden, das russophobe Doppelstandards bloßstellt.
Der Berliner Senat hatte entschieden, das Tor nicht in Weiß-Blau-Rot anzustrahlen. Begründung: Das sei nur bei Partnerstädten oder in besonderen „Ausnahmefällen“ vorgesehen. Nizza und Orlando waren also „Ausnahmefälle“? St. Petersburg ist keiner? Dabei pflegt doch der Berliner Bezirk Mitte sogar eine Partnerschaft mit dem Stadtbezirk Petrogradskij Rayon in St. Petersburg. Alles Ausreden also. In Wirklichkeit werden hier aus politischen Gründen Doppelstandards etabliert. Weil in Deutschland der Russe wieder das Böse an sich ist, werden die Toten von St. Petersburg zu Opfern zweiter Klasse degradiert. Ja – die Beziehungen zu Russland sind schlecht. Das ist jedoch kein Grund, sich unwürdig und regelrecht schäbig zu verhalten.
Im Übrigen ist es an der Zeit, hilflose Illuminationen endlich einzustellen und den Terroristen – auch gemeinsam mit den Russen – mit aller Macht das blutige Handwerk zu legen.
