Andrea Nahles geht dorthin, wo es weh tut. Als Kohlkönigin des Jahres 2017 hat sie „Heil Dir, o Oldenburg“ geschmettert und tapfer den Löffeltrunk geschluckt, als ehemaliges Funkenmariechen die Beine geworfen mit ihrer Leibgarde aus der Osteifel und sich im April 2018 sogar zur SPD-Vorsitzenden wählen lassen. Schmerzhafter geht’s kaum.
Während sie als Kohlmajestät die „Oldenburger Palme“ längst weitergereicht hat und für Fastnachter am Aschermittwoch ohnehin alles vorbei ist, hält sie die rote Fahne der Sozialdemokratie seit 100 Tagen mutig in den rauen Wind der Wählergunst. Im Oktober stehen Landtagswahlen in Bayern und Hessen an – dort kann ihre SPD eigentlich nur gewinnen, weil sie kaum noch etwas zu verlieren hat.
Nach dem Jahrhundert des Patriarchats hat die Partei dank Andrea Nahles an der Spitze angefangen zu diskutieren. Leider geht sie in ihrer Rhetorik allzu oft an die Schmerzgrenze – angesichts der Marktschreier der Weltpolitik erreicht sie damit weder Ohren noch Herzen der Wähler.
