Es ist purer Zufall, dass ein schwerwiegendes sexuelles Vergehen in einer Oldenburger Unterkunft für Asylbewerber mit mehreren Tagen Verspätung doch noch der Öffentlichkeit bekannt wird.
Obwohl die Tat einen Polizeieinsatz auslöste, die Staatsanwaltschaft ermittelte, eine Richterin zwei Haftbefehle erließ und die Stadt informiert war, schwiegen alle Behörden bis jetzt eisern. Da drängt sich die Frage auf: Warum? Schließlich handelt es sich nicht um ein Bagatelldelikt, sondern um ein mutmaßliches Schwerverbrechen.
Nach jedem Kontokartendieb fahnden die Ermittler öffentlich, möglichst mit Foto des Täters beim Abheben des Geldes. Aber ein Sexualdelikt an einem neun Jahre alten Kind hat die Öffentlichkeit nicht zu interessieren? Erst ein Hinweis aus der Bevölkerung an unsere Redaktion ermöglichte die Recherche, die den Sachverhalt jetzt bestätigte.
Die von Bürgerinnen und Bürgern immer wieder zu hörende Unterstellung, bestimmte Informationen würden aus sogenannter politischer Korrektheit bewusst zurückgehalten, erfährt durch diesen Fall reichlich neue Nahrung. Sollte so dumpfem Ausländerhass begegnet werden?
Die Begründung der Behörden für ihre, vorsichtig formuliert, Informationszurückhaltung klingt ebenso abenteuerlich wie fadenscheinig: Man habe das Opfer schützen wollen. Wie, bitte, schützt man ein Kind, das bereits zum Opfer einer abscheulichen Tat wurde? Ist es nicht vielmehr so, dass erst durch das Bekanntwerden die Öffentlichkeit darüber diskutieren kann, wie man andere Kinder vor ähnlich schäbigen Übergriffen schützt? Drücken sich die Verantwortlichen in Wahrheit nur vor der unangenehmen Frage, warum das Wohl des Kindes so vernachlässigt wurde?
Kindesmissbrauch kommt leider auch in deutschen Familien immer wieder vor und ist mitnichten beschränkt auf Flüchtlingsheime. Helfen können nur aufmerksame Nachbarn, die ihre Beobachtungen der Polizei schildern. Wenn diese Verbrechen dann aber systematisch verheimlicht werden, wird das Bild einer heilen Welt gezeichnet, das nichts zu tun hat mit dem oft grausamen Alltag.
Hier hilft nur lückenlose Aufklärung durch Information. Nicht die Presse „lügt“, wenn Verantwortliche schweigen.
