Für Griechenland und seine Regierung war es ein guter Tag: Drei Milliarden Euro brachte die erste Staatsanleihe seit fast vier Jahren in die Kasse des krisengebeutelten Landes – mehr als erwartet. Mindestens ebenso erstaunlich: 90 Prozent des Geldes kam von institutionellen Anlegern aus dem Ausland, also jenen Banken, Fonds und Versicherungen, die noch vor Monaten keinen müden Penny für das sonnige Pleiteland herausgerückt hätten.

Ist Griechenland also auf dem Weg zur Normalität? War das der Anfang vom Ende der Euro-Krise? Leider nein.

Noch immer gibt der griechische Staat mehr Geld aus, als er einnimmt. Noch immer wächst die Staatsverschuldung. Die Privatisierungserlöse durch den Verkauf von Staatseigentum bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Und das frische Geld, das jetzt ins Land fließt, ist größtenteils schon wieder verplant: zum Stopfen von Finanzlöchern.

Der Erfolg der neuen Griechen-Bonds am Kapitalmarkt löst keines der fundamentalen Probleme des Landes. Noch immer fehlt dem Land ein tragfähiges Geschäftsmodell, auf dessen Basis es sich zu einem produktiven Mitglied der Euro-Zone entwickeln und langfristig auf eigenen Füßen stehen könnte. Außer drakonischen Sparmaßnahmen ist der Regierung und den europäischen Partnern bislang herzlich wenig eingefallen.

Aber woher kommt dann plötzlich das neue Vertrauen der Anleger, dass sie ihr Geld tatsächlich in fünf Jahren verzinst zurückbekommen? Ganz einfach: Sie zocken wieder. Angesichts weltweiter Zinssätze nahe null mangelt es an Anlagealternativen. Wo sonst gibt es 4,75 Prozent Rendite?

Und wenn es doch schief geht, gibt es ja die uneingeschränkte Garantie der Europäischen Zentralbank, den Euro um jeden Preis zu verteidigen. Und einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland hat Bundesfinanzminister Schäuble kategorisch ausgeschlossen – obwohl er ökonomisch geboten wäre. Das heißt, das Risiko der Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt ist für die Garantiegeber des Rettungspakets deutlich höher als für die privaten Investoren. Für Griechenland und die Anleger ist das gut. Für den deutschen Steuerzahler eher nicht.