Die flapsige Bemerkung, wonach nicht Koch werden solle, wem es in der Küche zu heiß sei, müssen sich nicht selten auch Politiker gefallen lassen. Natürlich ist es ein selbst gewähltes Schicksal, sich in Räte oder Parlamente wählen zu lassen. Doch ob ehrenamtlich oder mit Diäten versorgt – für alle, die sich voller Engagement für ihre Mitmenschen einsetzen, ist es ein Knochenjob, der nicht nur viel Kraft und Zeit kostet. Sondern oft genug auch die Gesundheit. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat dies jetzt öffentlich gemacht. Und seine Konsequenzen gezogen.

Platzeck verdient Respekt. Er hat die wiederholten Warnsignale seines Körpers verstanden, sie nicht ignoriert und geleugnet. Der zuletzt erlittene Schlaganfall, äußerlich kaum mehr bemerkbar, hat im Innern offenbar Spuren hinterlassen.

Die SPD verliert mit dem 59-Jährigen ein politisches Schwergewicht, das als Stimme des Ostens weit über die Parteigrenzen hinaus beachtet wurde. Im allzeit hektischen Politbetrieb ist es kaum mehr als eine Fußnote, dass der Brandenburger bis 2006 Vorsitzender der SPD war. Nach knapp fünf Monaten hatte er sein Amt niedergelegt – auch damals aus gesundheitlichen Gründen – und seiner Partei die Hoffnung genommen, nach den Rücktritten von Gerhard Schröder und Franz Müntefering wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Das politische Schicksal seines Kurzzeit-Nachfolgers Kurt Beck vertiefte den öffentlichen Eindruck, die Sozialdemokratische Partei sei nicht mehr führ- und lenkbar.

Platzeck hat viele Affären überstanden. Nicht zuletzt, weil er bei seinen Landsleuten als ehrlich und verlässlich gilt. Selbst das Pannendesaster um den Berliner Großflughafen, das neben dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit auch Platzeck zu verantworten hatte, stellten seine Eignung als Ministerpräsident nicht ernsthaft in Frage. Ja, viele trauten ihm sogar gemeinsam mit dem neuen Management die baldige Fertigstellung des Riesenprojekts zu.

Platzeck selbst mochte sich das offenbar nicht mehr zumuten. Seine Partei hat mit ihm eines der wenigen Aushängeschilder in den neuen Bundesländern verloren.