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Döpfner-Skandal bei Springer Rücktritt ohne Wenn und Aber

Thomas Haselier
18.04.2023, 11:42 Uhr (Erstmeldung)
Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE
Gerade heraus

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE

dpa

Diese Kolumne kann man kurz halten: Treten Sie sofort zurück, Herr Döpfner! Die jetzt in der „Zeit“ veröffentlichten Mails und Chat-Protokolle des Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns lassen keine andere Folge zu.

Im Axel-Springer-Verlag ist Mathias Döpfner ohne jeden Zweifel der mächtigste Mann, seit 2002 ist er Vorstandsvorsitzender des Berliner Verlags. Verlegerin Friede Springer hat ihm 2020 Aktienanteile im Wert von rund einer Milliarde Euro geschenkt und ihm überdies die Stimmrechte für ihre übrigen Aktien überlassen. Döpfner ist damit das einflussreichste Mitglied der Gesellschafterversammlung.

Verstörende Nachrichten

Die gewonnene Macht scheint dem 60-Jährigen zu Kopf gestiegen. Darauf deuten die Recherchen der „Zeit“ hin, die von einer merkwürdigen Geisteshaltung des Medienmannes zeugen. Die Details aus Mails und Chatnachrichten, die Döpfner vor allem an Leitende Angestellte und Chefredakteure des Verlages gesendet hatte, sind verstörend. Darin schrieb er in abfälliger Weise von „Ossis“, die entweder Faschisten oder Kommunisten und überhaupt „eklig“ seien und von Demokratie keine Ahnung hätten.

Döpfner ließ sich im Gefühl, in seiner Position unangreifbar zu sein, zu einigen weiteren unappetitlichen Aussagen hinreißen: Über Muslime und „ähnliches Gesocks“ regte sich der Manager ebenso auf wie über Flüchtlinge und Corona-Maßnahmen. Den Klimawandel hält er für eine Erfindung. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel war ihm augenscheinlich verhasst. Für den Friedensnobelpreis fiel ihm kein besserer ein als Donald Trump. Und seinen inzwischen Ex-„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt, bekannt geworden vor allem durch dessen Machtmissbrauch gegenüber Frauen, wies er nachdrücklich an, sich abseits aller Fakten publizistisch stärker für die FDP einzusetzen.

Döpfner ist nicht einfach nur Chef irgendeiner großen Firma, die Bierdosen oder Nägel verscheuert. Döpfner ist Mitinhaber und CEO eines großen Medienunternehmens, das durch das Grundgesetz und die Pressefreiheit in diesem Land besonders geschützt ist. Fast jede einzelne seiner kolportierten Aussagen reicht deshalb für einen sofortigen Rücktritt von seinem Vorstandsvorsitz, alle zusammen erst recht. Mittlerweile scheint er geahnt zu haben, dass selbst einer wie er ins Visier gefährlicher Kritik geraten könnte. Er entschuldigte sich inzwischen öffentlich für die Entgleisungen, mit denen er an jedem Stammtisch alter erzkonservativer weißer Männer klarer Punktsieger gewesen wäre.

Ein Wirrkopf

Doch mit der öffentlichen Entschuldigung (Döpfner: „Aus dem Zusammenhang gerissene Text- und Gesprächschnipsel“) ist es nicht getan. Es geht hier auch um den Versuch, per Anordnung unmittelbaren inhaltlichen Einfluss auf die „Bild“-Redaktion genommen zu haben. Mit seinen kruden Äußerungen outet sich Döpfner als Wirrkopf, der sich nicht im Griff hat. Was für Zusammenhänge muss man sich denn vorstellen, in denen solche Aussagen irgendeinen vernünftigen Sinn ergeben könnten?

Ach ja, dass nun ausgerechnet FDP-Vize Wolfgang Kubicki dem Springer-Chef beispringt, weil die in der „Zeit“ veröffentlichten Leaks seiner Meinung nach rechtlich grenzwertig und moralisch problematisch seien, verwundert nun wirklich nicht: Kurz vor der zurückliegenden Bundestagswahl veröffentlichte die „Bild“ ganz im Sinne Döpfners ein großes Jubel-Interview mit Kubicki. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Ganz anders sieht den Fall Döpfner der NWZ-Autor Alexander Will. Seinen Text finden Sie unter diesem Link. Anhören können Sie ihn hier – gesprochen vom Autor:

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