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Laschet oder Söder? Im Grunde egal

Oldenburg - Die Frage nach dem Kanzlerkandidaten mag für die CDU eine schmerzhafte Sache sein. Allerdings enthebt es sie für den Moment, sich mit dem programmatischen Vakuum in den eigenen Reihen zu befassen. So ein Familienkrach im Kanzlerwahlverein funktioniert wie ein Tarnnetz für besagte Leere.

Nun gilt es zwar als eine Art politische Binse, dass Wähler sich vor allem wegen der Köpfe für eine bestimmte Partei entscheiden. Ein bisschen Programm spielt dabei aber schon eine Rolle. Damit siehts bei der Union verdammt mau aus, und das nicht erst seit heute.

Schon bei der letzten Wahl reduzierte sich „Programm“ im Grunde auf den gänzlich hohlen Spruch „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ – so infantil wie dümmlich mit „Fedidwgugl“ abgekürzt. Heute weiß immer noch niemand so recht, wofür die Union in den kommenden vier Jahren stehen will, was sie eigentlich zu tun gedenkt, wenn man ihr seine Stimme gibt.

Beliebig angegrünt

Um das zu illustrieren, genügt im Grunde der Blick auf ein ausgewähltes Politikfeld: Söder trägt jüngst gern das Klimaschutzbanner vor sich her, meint in der Union müsse „Klimaschutz Grundphilosophie“ sein. Das klingt wie aus dem grünen Wahlprogramm abgeschrieben (Ja, die haben schon eins!) lässt in seiner Beliebigkeit aber einen Schwenk in jede Richtung zu. Derartiges kennt man von Söder – man erinnere sich an die Asylkrise. Irgendetwas Substanzielles zur Frage, wie der Wohlstand in diesem Land in Zukunft gesichert werden soll, ist von der Union dagegen nicht zu vernehmen. Es ist auch nicht klar, wie sich das Handeln der Partei von der apokalyptisch angehauchten Klimaprogrammatik der Grünen unterscheiden würde.

Original und Kopie

Folge: Wähler, die eine repressive Klimapolitik für nötig halten, werden natürlich das Original wählen. Die Grünen. Jene aber, die sich Gedanken darüber machen, wovon all die öffentlichen Wohltaten in Deutschland in Zukunft bezahlt werden sollen und auf Wert- statt Abschöpfung setzen, haben in der Union kaum mehr eine verlässliche politische Kraft. Ähnlich sieht es bei anderen Fragen dann auch aus.

Fazit: Im Grunde ist es völlig gleich, ob der Kanzlerkandidat Söder oder Laschet heißt. Angesichts der realpolitischen Minderleistung in der Tagespolitik und der programmatischen Leere ist die Union heute so etwas wie eine Blackbox: Der Wähler wirft oben seinen Stimmzettel ein und muss sich überraschen lassen, was unten herauskommt.

Den Text zum Anhören, gesprochen vom Autor, finden Sie hier:

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk
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