Diese Erkenntnis der Pisa-Studie überrascht nicht: Leistungsdruck an Schulen verbessert das (statistische) Leistungsniveau, mindert aber das Wohlbefinden der Mädchen und Jungen. Ergo: Eine gute Schule ermuntert und ermutigt die Kinder zum Lernen, baut aber keine Droh- und Angstkulissen auf.

Ich bewundere die vielen Pädagogen, die diesen Spagat trotz oft schwieriger Rahmenbedingungen schaffen. Die Lernanreize setzen, ihre Schüler damit aber nicht allein lassen. Die fordern und fördern. Lehrer, die nur Druck machen, werden von Kindern ebenso wenig akzeptiert wie Lehrer, die alles durchgehen lassen, denen vielleicht schlichtweg auch alles egal ist. Meine Kinder mögen Lehrer, die für ihr Thema brennen, die einen Sinn für Gerechtigkeit haben und ihre Schützlinge nicht nur als Schüler, sondern auch als Menschen wahrnehmen. Und ich bin sicher, meine Kinder sind da keine Ausnahme.

Wie gut Schule funktioniert und wie wohl sich Kinder dort fühlen, hängt also nicht so sehr von Lehrplänen und oft ideologisch geprägten Schulformen ab, sondern von den Menschen, die dort zusammenkommen: von motivierten Lehrern, von sozial stabilen Kindern und von kooperativen Eltern.

Die Bildungspolitik, beliebte Spielwiese für Experimente aller Art von Experten jeder Couleur, sollte sich darauf konzentrieren, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen: eine Lehrerausbildung, die fachliche und pädagogische Kompetenzen vermittelt, ausreichendes Personal für individuelle Förderung sowie Schulgebäude, in denen sich die Kinder nach ihren Bedürfnissen entfalten können.

Dann wäre es auch einfacher, neben der Vermittlung von Wissen soziale Kompetenzen zu trainieren. Denn die Pisa-Studie, die bisher den Blick eher auf schulische Leistungen legte, bringt in den aktuellen Auswertungen zum Wohlbefinden von Schülern eine weitere Erkenntnis, die alarmieren sollte: Jeder sechste Schüler in Deutschland wird regelmäßig Opfer von Mobbing. Schule als Ort von Ausgrenzung, Bloßstellung, verbaler oder gar körperlicher Gewalt – das ist ein unerträglicher Gedanke und führt ganz sicher nicht zum gewünschten Lernerfolg.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)