Die olympische Idee hat in Deutschland offenbar ihre Anziehungskraft auf die Massen verloren. Das belegt die Abstimmung in Hamburg, bei der eine Mehrheit der Bevölkerung gegen die Bewerbung ihrer Stadt um die Spiele im Jahr 2024 abstimmte. Trotz monatelanger Pro-Olympia-Kampagne, unterstützt vom Senat und Bürgermeister Scholz sowie prominenten Befürwortern aus Sport und Wirtschaft, können die Hansestädter überwiegend dem an der Elbe geplanten internationalen sportlichen Kräftemessen nicht viel abgewinnen.

Dass in Kiel eine klare Mehrheit für die Austragung der olympischen Segelregatten stimmte, ändert am Ergebnis nichts: Deutschland wird nicht Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2024 sein. Damit scheitert zum zweiten Mal eine Initiative zur Austragung Olympischer Spiele auf deutschem Boden innerhalb von nur zwei Jahren: Auch in Bayern fand sich keine Mehrheit für eine Bewerbung um die Winterspiele im Jahr 2022.

Für Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ist das Ergebnis zweifellos eine herbe Enttäuschung. Der Erste Bürger der zweitgrößten Stadt Deutschlands hatte sich sehr persönlich engagiert und immer wieder die Bedeutung eines derartigen Sportereignisses für die Entwicklung der Stadt betont. Noch im Frühjahr sprachen sich 64 Prozent der Bevölkerung für Olympia an Binnen- und Außenalster aus. Offenbar kippte die Stimmung nicht zuletzt durch die terroristische Bedrohung nach den Anschlägen von Paris. Aber auch die bis zuletzt nicht restlos geklärte Finanzierungsfrage zwischen Bund und der Hansestadt ließen immer mehr Bürgerinnen und Bürger an der Machbarkeit zweifeln. Ins Kontor der Befürworter schlugen zudem die ungeklärten Korruptionsaffären in internationalen Sportorganisationen wie der Fifa.

Für den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den deutschen Ex-Olympioniken Thomas Bach, ist das Votum gegen die Austragung der Olympischen Spiele in Hamburg ausgesprochen peinlich. Er muss nun weltweit erklären, warum es in seinem Heimatland offenbar nicht mehr möglich ist, ein solches Großereignis unter Zustimmung der Bevölkerung auszurichten.