Pro: Ein Signal
Ein Staatsakt für die Corona-Toten in Deutschland? Ja, das ist angemessen. Dabei sollte allerdings nicht die Zahl der Opfer – 9400 starben bislang durch Covid-19 – im Vordergrund stehen. Da könnte man mit Fug und Recht ganz andere Zahlen ins Feld führen, deretwegen niemand nach einem staatlichen Gedenken ruft. Es geht aber eben nicht um ein Aufrechnen der an der Krankheit X oder Y Gestorbenen.
Autor dieses Textes ist Axel Milkert. Er ist Chefredakteur der Emder Zeitung. (Foto: privat)
Letzteres ist angesichts der wachsenden Sorglosigkeit wichtiger denn je.
Kontra: Überzogen
Staatsakte sind Ereignisse, bei denen sich eine (staatliche) Gemeinschaft ihres Zusammenhalts versichert. In sofern haben sie ihre Berechtigung. In Sachen Corona ist diese Form der Bewältigung allerdings völlig verfehlt – aus drei wesentlichen Gründen:
1. Ein Staatsakt erklärt Corona zu einer Ur-Katastrophe. Das ist die Seuche aber nicht. Sie ist nicht vergleichbar mit anderen Ereignissen – etwa Kriegen im 20. Jahrhundert oder 9/11. Es handelt sich um ein Alltagsrisiko. Dafür braucht es keinen Staatsakt, der die Seuche überhöht.
Autor dieses Textes ist Alexander Will. Er schreibt für unsere Zeitung über deutsche und internationale Politik (Foto: Bichmann)
3. Zudem liegt in Zeiten des anbrechenden Wahlkampfs der Verdacht nah, die Regierung beabsichtigt eher eine Würdigung ihrer umstrittenen Corona-Politik als ein Gedenken. Das sollte sie tunlichst unterlassen.
