Vor allem in Kleinstädten und Dörfern ist die Entwicklung schon seit Jahren sichtbar: Läden schließen, Zentren veröden.

Zunächst waren es Einkaufsmärkte mit vielen Parkplätzen auf der „grünen Wiese“, die – oft flankiert von falscher Verkehrs- und Flächennutzungsplanung der Kommunen – dem innerörtlichen Einzelhandel zusetzten. Inzwischen findet sich die Konkurrenz nicht mehr am Stadtrand, sondern im Internet. Der Online-Handel erobert Marktanteile. Die Warnung des Städte- und Gemeindebundes vor leeren Schaufenstern und einem weiteren Attraktivitätsverlust klassischer Einkaufsmeilen ist nicht aus der Luft gegriffen.

Die Vorteile des Online-Handels haben aber auch ihre Kehrseite: Die 24-Stunden-Erreichbarkeit und die schier grenzenlose Auswahl im Internet gehen oft einher mit Beratungsmangel, nerviger Hin- und Herschickerei von Paketen und Problemen bei der Reklamation. Viele stationäre Einzelhändler haben das längst erkannt und punkten mit Service, für den Kunden dann gern auch ein paar Euro mehr bezahlen. Zudem bieten sie das, was es im Internet nie geben wird: ein sinnliches Einkaufserlebnis, bei dem der Kunde nach gute alter Schule „König“ ist.

Um sich zu behaupten, braucht der stationäre Einzelhandel indes mehr Spielräume bei den Öffnungszeiten. Die gesetzlichen Regelungen sind zu unflexibel und hinken der Lebenswirklichkeit weit hinterher. Gleichzeitig müssen sich die Ladeninhaber untereinander besser absprechen: Nichts ist schlimmer für einen Einkaufsstandort als uneinheitliche Ladenöffnungszeiten.

Gefragt sind aber auch die Kunden: Nur wer sich im Klaren darüber ist, dass nicht Online-Riesen wie Zalando oder Amazon, sondern der örtliche Einzelhandel für kommunale Steuereinnahmen, für Arbeits- und Ausbildungsplätze, für Weihnachtsbeleuchtung, Blumenschmuck, Kulturförderung und Vereinssponsoring sorgt, kann verantwortungsbewusst entscheiden, ob er im Internet bestellt oder im Geschäft „um die Ecke“ einkauft.

Die Attraktivität des eigenen Wohnorts hängt immer auch vom örtlichen Einzelhandel ab. Das sollte man berücksichtigen, wenn man eine Kaufentscheidung trifft.

Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)