Jobabbau, Milliardenverlust und ein historischer Dividendenausfall – der künftige alleinige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, kündigt einen harten Sparkurs an. „Wir haben uns klare Ziele gesteckt, an denen wir uns messen lassen“, sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt am Donnerstag in Frankfurt. Und die haben es in sich. 25 000 Stellen sollen demnächst wegfallen – ein Großteil entfällt zwar auf die Postbank, von der man sich trennen möchte – aber auch rund 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus sind betroffen. Das internationale Netz wird ebenfalls kleiner – gleich zehn Länder stehen auf der Streichliste – und auch Aktionäre werden mangels Dividende für dieses und das kommende Jahr auf eine Geduldsprobe gestellt.

Die radikale Schrumpfung scheint der einzig richtige Weg zu sein, um das Ende einer Kette von Verfehlungen der vergangenen Jahre einzuleiten. Cryan steht vor einem Scherbenhaufen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2012 hatte die Deutsche Bank rund zwölf Milliarden Euro für Verfehlungen wie fragwürdige Hypothekengeschäfte und Zinsmanipulation zahlen müssen, für Rechtsstreitigkeiten hat sie jetzt 4,8 Milliarden Euro zurückgelegt. Es wird allerdings – wie Cryan selbst einräumte – Jahre dauern, bis sich die Änderungen bemerkbar machen. 2018 sei ein entscheidendes Jahr. Fraglich ist nur, ob Cryan so viel Zeit bleibt, denn lange wird er nicht auf Fehler seiner Vorgänger verweisen können – er wird schon sehr bald an seinen eigenen Leistungen gemessen werden.

Etwas ungeschickt sind seine Versprechen, dass der Stellenabbau „auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten“ vorgenommen wird. Ein Satz, um Mitarbeiter zu beruhigen, doch sind Kündigungen für Betroffene selten wirklich fair, auch, wenn sie hohe Abfindungen kassieren sollten. Daher bleibt der fade Beigeschmack, dass Verfehlungen der Führungsriege wieder einmal auf den Schultern der Mitarbeiter ausgetragen werden könnten. Bleibt abzuwarten, inwiefern Cryan seinen Worten Taten folgen lässt. An der Börse hat der Brite scheinbar keinen Eindruck hinterlassen. Die Aktie verlor am Donnerstag im Handelsverlauf bis zu acht Prozent.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft