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Tücken elektrischer Mobiliät Teure Elektro-Autos machen den Individualverkehr zum Luxusgut

Thomas Haselier
Für viele unbezahlbar: Alltagstaugliche E-Fahrzeuge
Gerade heraus

Für viele unbezahlbar: Alltagstaugliche E-Fahrzeuge

dpa

In den zurückliegenden Wochen überraschte mich ein Vorhaben von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP): 110 Millionen Euro will Wissing als Bundeszuschuss zur Verfügung stellen, um rund 1,5 Millionen neue Fahrradabstellplätze an Bahnhöfen zu bauen. Er erhoffe sich damit eine Stärkung des „intermodalen Verkehrs“. Mehr Pendlerinnen und Pendler würden dann mit dem Fahrrad zum Bahnhof und weiter mit dem Zug fahren.

Man muss ja schon erfreut sein, wenn Wissing auch mal über den Bau von Autobahnen hinaus nachdenkt. Andererseits beschleicht mich das Gefühl, als sei auch dieser Plan nichts anderes als eine Beschränkung des Individualverkehrs für Leute mit wenig Einkommen. Die EU will ab 2035 keine Autos mit Otto- oder Diesel-Motoren mehr zulassen. Aber Wissing ist bockig und blockierte erstmal die EU-Pläne. Doch das Verbot wird so oder so kommen. Und das bedeutet auch das Ende preisgünstiger Autos für jedermann.

E-Autos unbezahlbar

Das Aus der Verbrenner ist im Kern ja richtig. Da aber Elektroautos für Normalsterbliche so gut wie nicht zu finanzieren sind, weil auch die öffentlichen Förderungen weiter abgebaut werden, bleiben Wissings neue Autobahnen bald nur noch für Reiche nutzbar (zumal dann, wenn irgendwann einmal auch noch eine Pkw-Maut hinzukommen sollte). Pointiert formuliert: mit Steuergeldern geförderte Autobahnen ohne Tempolimit, auf denen sich nur noch Teslas und Porsches gegenseitig überholen.

Autor dieses Textes ist Thomas Haselier. Er schreibt seine Kolumne exklusiv für die NWZ. (Foto: privat)

Autor dieses Textes ist Thomas Haselier. Er schreibt seine Kolumne exklusiv für die NWZ. (Foto: privat)

Der Markt für kleine Stromer zu bezahlbaren Preisen ist jedenfalls überschaubar. Für attraktive E-Autos, die vor allem auch mit einer halbwegs akzeptablen Reichweite glänzen, muss man sogar richtig tief in die Tasche greifen. Es gibt in dieser Kategorie kaum Fahrzeuge mit einem Preis unter 50 000 Euro. Der Rest der weniger gut Betuchten, die sich so etwas nicht leisten können, schaut in die Röhre. Für sie ist die E-Mobilität nicht finanzierbar, sie müssen sich augenscheinlich mit geförderten Fahrradabstellplätzen begnügen.

Hinzu kommt, dass es zurzeit keinen nennenswerten Gebrauchtmarkt für E-Fahrzeuge gibt. Die wenigen, die angeboten werden, sind so teuer, dass man dafür locker ein nagelneues Auto mit Otto- oder Dieselmotor bekäme. Und die gebrauchten Stromer haben einen weiteren Nachteil: Sie haben meistens ziemlich ausgelutschte Akkus, die die ohnehin eingeschränkte Reichweite weiter deutlich vermindern.

Familienauto? Fehlanzeige!

Familien (oder auch Besitzer von großen Hunden) haben es besonders schwer, ein bezahlbares E-Auto zu finden. Es gibt wohl reichlich größere Protzkarossen (meistens SUV), die jedoch kaum erschwinglich sind. Die Autofirmen planen offenbar nur für alleinstehende Männer und Frauen mit hohem Einkommen, die eine Solaranlage auf dem Dach des eigenen, längst abgezahlten Hauses haben und sich über die hohen Benzinpreise ins Fäustchen lachen.

Nun könnte man vor diesem Hintergrund Verständnis äußern für die Absicht von Wissing und seinem Porsche fahrenden Parteichef Christian Lindner, die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe zu fördern, die angeblich eine klimaneutrale Alternative zur E-Mobilität seien. Doch eine Menge Gründe sprechen gegen E-Fuels. Ihre Energieeffiziens ist schlecht, der Stromverbrauch bei der Herstellung hoch. Was aber noch schwerer wiegt, ist ihr hoher Produktionspreis, den man am Ende an der Säule zahlen müsste. Unter vier Euro dürfte ein Liter kaum zu haben sein. Auch synthetische Kraftstoffe wären dann nur noch für Besserverdienende bezahlbar. Sie ändern jedenfalls nichts daran, dass der Individualverkehr immer mehr zum Luxusgut wird.

Gefragt sind Ingenieure

Genau darauf deuten auch die aktuell gestiegenen Strompreise hin. Auch sie verhindern einen breiten Einstieg in die E-Mobilität. Dabei wäre der dringend geboten, um den Klimawandel weiter zu stoppen. Denn unabhängig von jedem Einkommen gilt: Scheitern wir dabei, wird es nicht nur einfach teuer, dann braucht man auch nicht mehr über Automarken nachzudenken, dann geht es für alle nur noch ums nackte Überleben.

In der Pflicht sind jetzt die Autohersteller. Ihre Ingenieure müssen ihren ganzen Grips darauf verwenden, preisgünstigere und trotzdem leistungsfähige Elektroautos zu entwickeln. Sonst läuft es tatsächlich auf einen unfinanzierbaren Individualverkehr nur für Besserverdienende hinaus. Das wäre nicht nur unsozial, sondern auch volkswirtschaftlicher Wahnsinn. Ach ja, liebe FDP, verabschiedet euch doch endlich mal vom Blockieren des Tempolimits. Dann hört wenigstens die teure Lust auf Verbrenner von selbst auf.

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