Dass Ex-Hollywoodstar Bill Cosby mit Blick auf seine einstige Vorbildfunktion und moralischen Maßstäbe tief gesunken ist, stand schon lange vor dem jetzigen „Schuldig“-Urteil fest. Die Vielzahl der Frauen, die ihn sexueller Übergriffe bezichtigten, und auch seine Aussagen ließen im Prinzip keine Zweifel mehr daran, dass der einst als fürsorglicher TV-Familienvater und „Amerikas Dad“ zu Ruhm gekommene Schauspieler eklatante Rechtsverstöße begangen hat. Im ersten Verfahren scheiterte eine Verurteilung lediglich am fragwürdigen Geschworenen-System der USA. Nun, in einem zweiten Prozess, wurde endlich von der Jury das richtige Urteil gefunden.
Der Schuldspruch ist dabei ein weiteres bedeutendes Signal an jene, die sich aufgrund ihrer Macht für unangreifbar halten – und auch ein Erfolg der „Me too“-Bewegung, die es ermöglicht hat, dass Frauen endlich jene Glaubwürdigkeit zugesprochen wird, die ihnen zuvor so oft vorenthalten wurde. Zu hoffen ist deshalb, dass es auch im Fall Harvey Weinstein, der nach Aussagen zahlreicher Betroffener die berüchtigte „Besetzungscouch“ brutal ausnutzte, bald zu einer Anklage kommt. Und dass der Abschreckungseffekt des schockierenden Niedergangs von Superstar Bill Cosby möglichst weite Kreise zieht.
