Der Hannover-Marathon hat am Wochenende Zehntausende in seinen Bann gezogen. Die Blicke richteten sich aber nicht nur auf Topathleten wie Sieger Amanal Petros, sondern auch auf den sportlichen Oberbürgermeister Belit Onay (42). Der Grünen-Politiker absolvierte erstmals den 10-Kilometer-Lauf. In knapp über einer Stunde überquerte er die Ziellinie. Nächstes Jahr möchte er die Zeit unterbieten. Soviel Applaus flog Onay in der Landeshauptstadt zuletzt allerdings nicht entgegen: Die Ankündigung, sich in diesem Sommer für zwei Monate in die Eltern-Teilzeit zu verabschieden, stieß auf Skepsis. Die konnte der Vater von zwei kleinen Kindern aber klug entkräften. „Ich möchte mit meiner Entscheidung alle Väter – nicht nur in unserer Stadtverwaltung – darin bestärken, von den Elternzeitmodellen Gebrauch zu machen“, will Onay auch Vorbild sein.
Zähes Ringen
Christian Meyer, Umwelt- und Energieminister, gilt als „Twitter-König“ in der Regierung Weil. Kaum hatte die Ampel-Regierung in Berlin nach stundenlangem Ringen im Koalitionsausschuss ihren Kompromiss verkündet, postete Meyer: „Klimaschädliche Autobahnen wie A20, A33 und A39 werden NICHT beschleunigt, sondern 144 Engpassstellen ohne Neubauten.“ Koalitionspartner SPD interpretiert die Berliner Beschlüsse allerdings gänzlich anders. Die Autobahnprojekte seien „nicht vom Tisch“ lieferte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) umgehend das Echo. Und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) flötete mit Blick auf die drei Autobahntrassen: „Allerdings ist es unproblematisch, dass diese nicht das Etikett ,Beschleunigung‘ erhalten haben.“ Sie seien ohnehin im aktuellen Verkehrswegeplan unter der Rubrik „vordringlichen Bedarf“ eingestuft.
Bemerkenswerte Analyse
Mit einer bemerkenswerten Analyse ging Oliver Junk, Oberbürgermeister von Goslar, an die Öffentlichkeit: Städte wie Hannover, Wolfsburg oder Lübeck seien gar nicht befugt, in eigener Kompetenz für ihre Verwaltung die Gender-Sprache vorzuschreiben, legte der 47-jährige CDU-Politiker im Politjournal „Rundblick“ dar. Die Erklärung: Der Rat für deutsche Rechtschreibung habe ein amtliches Regelwerk für die deutsche Rechtschreibung herausgegeben – übrigens nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich, die Schweiz und andere deutschsprachigen Länder. Das Bundesinnenministerium habe 1999 entschieden, diese Empfehlungen verbindlich zu machen. Also nichts mit Sternen, Doppelpunkten, Quer- oder Unterstrichen in der deutschen Amtssprache. Nun sind viele gespannt, wie Gleichstellungsminister Dr. Andreas Philippi (SPD) das Problem beim neuen rot-grünen Gleichstellungsgesetz lösen will.
