Das Geld für die Online-Umfrage unter Niedersachsens Lehrerinnen und Lehrern hätte sich Kultusministerin Frauke Heiligenstadt sparen können. Völlig überflüssig. Nichts Neues liefert die Studie der Leuphana-Universität, was Praktiker nicht schon längst wussten.

Massive Belastungen bei Inklusion, Ganztagsangeboten und Sprachförderung – die Klagen gibt es schon lange und lautstark. Kritik an überbordender Bürokratie und immer neuen Vergleichtests, Schulinspektionen sowie unzähligen Gutachten – die Ministerin hätte nur in die Schulen hören müssen. Und dass die Leitungen von Grundschulen nur noch schwer zu besetzen sind, weil sich niemand mehr bereitfindet – die Fakten liegen längst auf dem Tisch.

Dass sich nur jede zehnte Lehrkraft überhaupt an der Umfrage beteiligt hat, zeigt, welche Erwartungen die angeschriebenen Pädagogen in diese Aktion hatten: keine. Die FDP spricht von einer Placebo-Umfrage. Wohl zu Recht.

Das brisante Thema Arbeitszeit packt die Kultusministerin gar nicht an. Dabei beweisen die Untersuchungen der Lehrergewerkschaft GEW und das juristische Testat des Philologenverbandes, welch’ dringender Handlungsbedarf besteht. Angesichts der Überstunden besonders im gymnasialen Bereich steht eine 40-Stunden-Woche für viele Lehrer nur auf dem Papier. Doch Heiligenstadt spielt auf Zeit. Ein Expertengremium soll neue Erkenntnisse bringen. Ganz nach dem bewährten Politiker-Motto: Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis.