Die Grünen kämpfen um ihr parlamentarisches Überleben. Ihre Umfragewerte in Nordrhein-Westfalen, wo im Mai gewählt wird, liegen irgendwo bei sechs Prozent, im Bund bei acht – oder weniger. Und erfahrene Grüne vermerken in diesen Tagen düster, dass die Partei in den Prognosen seit jeher besser abschneidet als bei Wahlen.

Sie bewirtschaftet zwar – vom Klimawandel bis zur globalen Flüchtlingskrise – existenzielle politische Themenfelder. Aber zugleich kann sie nicht plausibel machen, auf welchem Wege sie nach der Wahl im Herbst ihre weitreichenden Veränderungswünsche verwirklichen könnte: Ohne Machtperspektive keine thematische Präsenz, ohne Präsenz keine erfreulichen Wahlaussichten, ohne Wahlerfolg keine Machtperspektive. Das ist der Kreislauf, den die Grünen durchbrechen müssen. Sie riskieren mit dem Kurs der Eigenständigkeit, sich zwischen alle Stühle zu setzen. Schwarz/Grün ist für radikalere Grüne eine ebenso lähmende Aussicht wie Rot/Rot/Grün für viele Realpolitiker.