Sie liefern sich Wortgefechte in den Medien, überziehen sich mit Lügen-Vorwürfen – und kommen einfach nicht zusammen. Die Lokführer bleiben auf Kriegsfuß mit der Bahn-Führung. Vertrauen? Gesprächsbereitschaft? Fähigkeit zum Kompromiss? Fehlanzeige.

Jetzt haben wieder einmal die Kunden darunter zu leiden, dass am Verhandlungstisch die vorhandene Chance auf eine Einigung vertan wurde. Das Verständnis für das Vorgehen der Lokführergewerkschaft GDL dürfte mit jedem verspäteten Zug, jeder gestrichenen Verbindung weiter sinken.

Der siebte Streik in der Geschichte dieser aktuellen Auseinandersetzung ist ebenso ärgerlich und lästig wie unnötig. Die wirtschaftlichen Schäden der Streiks in dieser Tarifrunde gehen inzwischen in dreistellige Millionenhöhe. Die indirekten Auswirkungen auf die Wirtschaft sind noch sehr viel größer.

Es wäre jedenfalls eine Zumutung, wenn die Beteiligten die Sache noch weiter auf die Spitze treiben würden. Schon macht es den Anschein, dass die Bahn auf Zeit spielt und insgeheim darauf setzt, das Inkrafttreten des Gesetzes zur Tarifeinheit im Sommer abzuwarten. So wäre die Macht der GDL ein für alle Mal beschnitten. Die Lokführergewerkschaft mit dem Anspruch, Interessenvertretung für weitere Berufsgruppen zu sein, müsste fürchten, am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Wann kommt endlich Bewegung in diesen verfahrenen Streit? Bei der Deutschen Bahn hat man schon so manche Überraschung mit der GDL erlebt. Im Jahr 2008 war die Lage ähnlich verfahren wie jetzt. Die Politik erhöhte den Druck, und plötzlich gelang die Einigung, deren Grundzüge auf eine Seite aus dem Kalender des damaligen Bundesverkehrsministers passten. Jetzt wäre der amtierende Minister Alexander Dobrindt gefragt, die zerstrittenen Tarifpartner in die Pflicht zu nehmen – zum Wohl von Millionen Reisenden.