Abschiebungen von ausreisepflichtigen Migranten sind normalerweise in Deutschland ein schwieriger Prozess und lassen lange auf sich warten. Ausgerechnet im Fall des Vertrauten des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, ließen die Behörden keine Zeit verstreichen und sorgten dafür, dass der Tunesier Bilal Ben Ammar nur sechs Wochen nach dem Terroranschlag in seine Heimat zurückkehrte. Dabei ist bis heute nicht geklärt, welche Rolle der islamistische Gefährder bei dem Anschlag und den Vorbereitungen der schrecklichen Tat im Dezember 2016 gespielt hat, bei der zwölf Menschen getötet worden waren.

Der Vorwurf der Vertuschung steht im Raum und muss dringend untersucht werden. Bundesinnenminister Horst Seehofer tut gut daran, diesen Fall noch einmal gründlich zu prüfen. Die Chronik des Versagens im Fall Amri ist bereits lang. So war bereits das Urteil des Sondermittlers Bruno Jost über die Arbeit der Sicherheitsbehörden verheerend ausgefallen. Amri war lange im Fokus der Ermittler, hätte in Haft sein müssen und der Anschlag verhindert werden können.

Unprofessionell, mangelhaft und fehlerhaft, lautete die erschreckende Bilanz, die dazu führte, dass sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestages noch immer bemüht, den Fall aufzuklären. Jetzt stellen sich neue Fragen, und der Verdacht, dass Anis Amri kein Einzeltäter gewesen ist, sondern womöglich Teil eines terroristischen Netzwerkes, bekommt neue Nahrung. Die Aufklärung muss jetzt mit Hochdruck weitergehen. Das ist man den Opfern des Anschlages und ihren Angehörigen schuldig.