Berlins Kulturpolitik kommt niemals zur Ruhe, und vielleicht ist das auch gut so. Nimmt man allein die Hauptstadt-Bühnenchefs Claus Peymann und Frank Castorf, so haben diese angegrauten Herren einen geradezu ungeheuren Unterhaltungswert: Peymann, der ewige Raunzer, Castorf, der gelernte Zertrümmerer von Dramen. Vollkommen ist das Chaos, das sich Kulturpolitik unserer Hauptstadt nennt, aber erst durch einen bunten Vogel. Das ist der Kulturstaatssekretär Tim Renner. Der versieht sein Amt ungefähr so kompetent wie zuletzt Klaus Wowereit, der bekanntlich mehr Partykönig als Politiker war.

Sicher, Peymann und Castorf lieben nicht die leisen Worte, sie schlagen gern mit dem Vorschlaghammer zu. Aber vielleicht sind sie – neben dem gerade geschassten Rostocker Kollegen Sewan Latchinian – die letzten deutschen Intendanten, die sich nicht als smarte Manager verstehen, sondern als politische Köpfe. Kunst als staatlich subventionierter Widerstand? Warum nicht.