Das Kabinett billigt einen Kompromiss zum Gas-Fracking – und keiner ist zufrieden. Nicht die Union, nicht die SPD, die Opposition sowieso nicht, auch nicht die Umweltschützer oder die Industrie. Nicht mal Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die den Gesetzentwurf hauptsächlich zu verantworten hat. Und genau dieses Papier soll jetzt zur Abstimmung in den Bundestag. Der Papierkorb wäre der bessere Aufbewahrungsort.

Nein – da muss man den Machern des geplanten Gas-Fracking-Gesetzes zustimmen – eine neue Technik von vornherein ein für alle Mal zu verbieten, das kann nicht sein. Es muss, wenn auch unter strengsten Auflagen, Möglichkeiten geben, selbst das sogenannte unkonventionelle Fracking zu erproben und vor allem weiterzuentwickeln. Schließlich kann mit dieser Technik bislang unerreichbares Erdgas gefördert werden. Und das freut Energiepolitiker (mehr Versorgungssicherheit), Energiekonzerne (gute Geschäfte) und ebenso den Verbraucher (niedrigere Energiepreise). Und vielleicht gilt diese Technik dann auch eines Tages als absolut sicher.

Doch heute sind die Gefahren für Mensch und Umwelt noch nicht abzuschätzen. In Studien wurden krebserregende Substanzen in den Chemikalien entdeckt, die beim unkonventionellen Fracking unter hohem Druck ins Gestein gepresst werden. Anwohner sorgen sich um ihr Trinkwasser, Bierhersteller um ihr Brauwasser, Landwirte um ihre Äcker. Zudem ist Fracking, auch das konventionelle, wohl für zahlreiche Erdbeben in einst Erdbeben-sicheren Regionen verantwortlich und dementsprechend auch für unzählige Risse in Häuserwänden.

Statt also heute schon zu entscheiden, dass es ab 2019 eine kommerzielle Förderung mittels unkonventionellem Fracking geben kann, sollten erstmal die Ergebnisse der nun erlaubten Probebohrungen abgewartet werden. Und dann, vielleicht ja tatsächlich ab dem Jahr 2019, sollte diese Entscheidung nicht irgendeiner Experten-Kommission überlassen werden, sondern denen, die man für mögliche Fehlentscheidungen auch verantwortlich machen kann – den Kabinettsmitgliedern. Doch die scheinen sich lieber vor der Verantwortung zu drücken.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin