Erinnern Sie sich noch an den Veggie Day? Der #MeToo-Debatte könnte ein ganz ähnliches Schicksal drohen. Denn Reaktionäre sehen in der Sexismus-Debatte, was sie schon im angeblichen „Fleisch-Verbot“ gesehen haben: „links-grüne Meinungsdiktatur“. Dabei geht es bei #MeToo nicht um Sexualität, um Komplimente, um Flirten – es geht um knallharten Machtmissbrauch.

Es ist noch nicht lange her, dass die Vergewaltigung in der Ehe kein Verbrechen war, dass Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes kein Konto eröffnen durften oder er einfach ihren Job kündigen konnte. Das ist glücklicherweise Vergangenheit, aber das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern ist noch immer verbogen. Und genau hier kann die #MeToo-Debatte helfen: Als potenzieller Teil eines Kulturwandels, an dessen Ende noch immer notwendige Krücken wie Frauenquoten irgendwann hinfällig werden. Dass bis dahin noch ein langer Weg vor uns liegt, zeigen nicht nur Politiker, deren Frauenbild in den 50er Jahren hängengeblieben ist, oder religiöse Eiferer, denen selbst die Wirtschaftswunderzeit zu liberal ist.