Das Einmaleins des politischen Krisenmanagements ist eigentlich recht simpel. Droht Brisantes an die Öffentlichkeit zu gelangen, muss der Betroffene auf Offensive schalten: Alles auf den Tisch, was einen irgendwie belasten könnte. Hätte David Cameron das beim Thema „Panama-Papiere“ beherzigt, wäre das Echo nicht so verheerend ausgefallen. Doch vier Erklärungen in fünf Tagen abzugeben – das hat seine Glaubwürdigkeit in Stücke gerissen.
Die entscheidende Frage lautet nun: Muss der britische Premierminister zurücktreten? Noch nicht. Und das aus folgenden Gründen: Strafrechtlich hat sich der konservative Politiker nichts zu Schulden kommen lassen. Fällige Steuern hat er ehrlich gezahlt. Zudem war der Betrag, mit dem er an einem Offshore-Trust seines Vaters beteiligt war, relativ gering. Sein Amt kosten würde es Cameron allerdings, wenn jetzt weitere moralisch fragwürdige Geschäfte ans Tageslicht kämen.
Mit Sorge dürfte auch Brüssel nach London blicken: Bekanntlich stimmen die Briten am 23. Juni über den „Brexit“ ab. Ein geschwächter Cameron, der für den Verbleib in der EU kämpft, kommt da völlig ungelegen.
