Die Entscheidung der Essener Tafel, keine Ausländer mehr neu aufzunehmen, hatte das Land aufgerüttelt. Es war ein verzweifelter Weckruf einer Hilfsorganisation, die sich mit den Herausforderungen durch die Zuwanderung und der Versorgung Bedürftiger im Stich gelassen und überfordert sah. Dass die Essener Tafel nun nach knapp drei Monaten wieder Ausländer aufnimmt, ist eine versöhnende Geste. Wie ein Signal der Entspannung darf diese indes nicht wirken.
Niemand stellt sich aus Spaß zur Essensausgabe an. Mag der Ruf nach Abschaffung von Hartz IV auch weit über das Ziel hinausschießen, so gehört die Armutsbekämpfung doch ganz oben auf die Agenda der Großen Koalition. Als Regierung für die kleinen Leute hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer die schwarz-rote Koalition angepriesen. Den Beweis, dass sie es ernst damit meinen, sind Union und SPD bislang schuldig geblieben.
